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Noch schwieriger ging es mit dem neuen Shakespeare-Stücke,mit „König Richard dem Zweiten". Es gehört zu den „Historien"und ist also kein dramatisch componirtes Stück. Dies war einkaum besiegbares Hinderniß bei dem dramatisch geschulten Pu-blikum des Burgtheaters. Dies Publikum ließ sich absolut nichteinreden, in diesen Forderungen eine Nachsicht üben zu müssen,weil der berühmte Shakespeare Verfasser des Stückes wäre. Beiallem Respect vor dem großen Namen blieb es auf seiner dra-matischen Forderung stehen.
Wie vielfach, wie lebhaft war gerade dies Publikum her-angezogen und auch angezogen worden durch so zahlreicheShakespeare-Aufführungen! Das Repertoire des Burgtheatersenthielt siebzehn Shakespeare-Stücke, und alle so fest und bereit,daß jedes in jeder Woche gegeben werden konnte. Das Publikumwar also mit diesem Dichter vertrauter als irgend eines —umsonst! Es bewies ihm nicht die geringste Deferenz, es ent-sagte auch ihm gegenüber seinen dramatischen Anforderungennicht um ein Jota. Im Gegentheile, es wurde von Jahrzu Jahr strenger. Es sagte nicht gerade wie einst Goethe:„Shakespeare und kein Ende!" aber es sagte doch unverblümt:Allzuviel ist ungesund. Es ließ „Richard den Zweiten" ohneZeichen besonderer Theilnahme an sich vorübergehen.
Der erste Act bekanntlich ist dramatisch. Der so rasch ein-geleitete und so entschlossen verhinderte Zweikampf interessirteauch. Der König wird gut eingeführt. Die Figur Gaunt's imzweiten Acte ist ebenfalls ganz geeignet, Glück zu machen, undda König Richard consequent die Spitze bietet, so folgt manihm aufmerksam. Aber von da an verläuft das Drama in'sEpos. Ohne hinreichenden Kampf erliegt der König und sprichtnur viel, wenn auch schön. Es folgt die große Abdankungs-scene, welche so prächtige Sachen enthält, aber so ungenügendgesammelt ist zu scenischem Eindrucke. Hier, und eigentlich nurhier, war ich mit der Bearbeitung leise eingeschritten, blos leise.Ich hatte Nichts zugethan, sondern hatte nur zerstreute WorteShakespeares aus anderen Scenen in Eine Scene zusammen-getragen. Der Bischof von Carlisle ist vorhanden als Partei-gänger für Richard; er sagt auch das Nöthige, aber er sagt esvereinzelt in mehreren Scenen und deßhalb kraftlos. Diese seineWorte legte ich alle in die Abdankungsscene, um doch einen
Laube, Burgtheater. 2. Aufl. 2S