Buch 
Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
Entstehung
JPEG-Download
 

355

Stücke, und wenn nun die Intimen von früher doch einmalwieder zuschauen wollen, ob ihr altes Schauspiel seine früherePhysiognomie zurückerhalten habe, da finden sie alle Plätze ver-geben, zucken die Achseln und verzichten am Ende ganz so ent-steht ein zufälliges Publikum, und die traditionellen alten Maß-stäbe der Kritik verschwinden, mit ihnen das alte Burgtheater.

Das dritte Trauerspiel warAndreas Hofer", wie Jmmer-mann'sTrauerspiel in Tirol" auf dem Theaterzettel heißt.

Ein vaterländisches großes Stück war so lange mein Wunsch!Die Bühne ist ja am mächtigsten, wenn sie vaterländische Dingevorführen und aussprechen kann. Jahrelang hatte ich um dieErlaubniß geworben für diesenHofer" vergeblich! Da warder Pater Haspinger, da war der Schurke Kolb, geistlich ver-dächtig, wie sehr ich ihn verkleidete, da war Dieses und JenesGrund zur Abweisung in Wahrheit blieb es die Scheu vorder Unmittelbarkeit. Solch ein Stück erschien zu unmittelbar.Nur Nichts direct aussprechen auf der Scene, was politischoder auch nur sonstwie treffen könnte! Selbst nicht patriotisch.Das hat seine Consequenzen. Wird heute das allenfalls Zu-lässige ausgesprochen, so will morgen auch das kaum Zulässige,übermorgen das Unangenehme ausgesprochen sein. Dazu ist dieBühne überhaupt nicht da, am wenigsten die Hofbühne. Nurnichts Directes!

Diese Rücksichten, der bare Gegensatz zum Zwecke eines erstenTheaters, waren tief eingewurzelt. Es war und ist ein Stand-punkt der abonnirten Logen, welche nach Tische um Gotteswillennicht erinnert sein wollen an etwas Wirkliches, wozu man denKopf schütteln oder wovor man gar erschrecken müßte. Das istja auch keine Poesie! Die Poesie war eine verschleierte Prinzessingeworden aus fernen, fernen Zeiten und fernen, fernen Landen.

Da starb mein langjähriger Chef, ein geborener Pole, und meinneuer Chef, endlich ein geborener Deutscher, nahm lebhaften An-theil an dem Tiroler Trauerspiele und gab sofort die Erlaubniß.

Der verstorbene Chef, Graf Lanckoronski, hatte übrigens dieguten Eigenschaften, welche ich zu Anfang dieser Schilderungenan ihm preisen konnte, standhaft bewährt. Meinen Jnstructionengemäß überließ er mir die artistische Leitung unverkürzt. Erwar hundertmal unzufrieden mit meinem Geschmacke in Wahlder Stücke und in Besetzung der Rollen, und er verhehlte das

SS'