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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
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bis jetzt überhaupt gefehlt hat: der letzte Wille, der unzweifel-hafte Nachdruck, der Stempel der Nothwendigkeit und der Er-ledigung.

Ich habe manchmal den Gedanken, Heyse schreibe seine Stückezu rasch. Die Fähigkeit der Hervorbringung in ihm ist sehrlebhaft, sein Talent ist für alle Formen geschmeidig, und erbehandelt ein Theaterstück wie eine andere Schrift, indem erseiner natürlichen Fruchtbarkeit unverweilt nachgiebt, das Stückin die Welt setzt und es den Theatern überliefert, frisch, wiees aus der ersten Regung entstanden ist. Ein Theaterstück darfaber nicht behandelt werden wie jede andere Schrift, sondern eswill reiflich ausgetragen sein. Je tiefer sein Organismus athmet,desto tiefer dringt es in den Zuhörer, desto länger macht es ihmzu schaffen, desto nachdrücklicher spricht der Zuhörer von ihm,desto mehr macht er Propaganda für dasselbe. Das Glücklicheerobert ein Theater-Publikum, doch nur das Reife fesselt es.

Ich weiß freilich nicht gewiß, ob Heyse warten kann. Esgiebt reichbegabte Menschen, welche sich der in ihnen wachsendenFrüchte ohne Zögern entledigen müssen, weil hinter diesen Früchtenschon wieder neue entstehen. Solche Talente müssen, um amgünstigsten für die Bühne zu schreiben, das Lustspiel erwählen

wenn sie lustig sein können, wenn ihnen Laune und heitereCharakteristik zu Gebote stehen.

MitHans Lange" hat Heyse schon eine unerwartete Wen-dung versucht, und zwar recht glücklich. Er hat die appischeStraße derSabinerinnen", er hat die ritterzeitlichenHerrenvon der Esche" mit ihrem Burg-Pathos verlassen und hat dierealistische Charakteristik für einen Theil seines Stückes ergriffen.Die Figuren im Bauernhause sind ihm auch trefflich gelungen

warum sollte er auf dem Wege nicht weiterschreiten! Ja, erhat es auch schon gethan; er hat ein Schauspiel,Colberg",gebracht, welches vaterländisches Heldenthum aus dem Franzosen-kriege behandelt. Ein ganz richtiger, willkommener Stoff, welchendie Theater im deutschen Norden mit großem Beifalle begrüßthaben. Aber er hat es wiederum gethan, wie ich oben ange-deutet: zu rasch, zu kurz angebunden. Das Stück ist nicht aus-getragen im Mutterschoße.

Mautner'sEglantine" ist ein eben so leichtes Kind. Unddoch sind auch diese beiden Verfasser wieder grundverschieden von