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ganzen Bildes verändern. Das Bedürfniß der Heiterkeit ist ganzaußerordentlich in einem Theater-Publikum. Dies Bedürfnißist felbst grausam gegen die Bildung. Es verschlingt Tri-vialitäten, wenn dies unter vollem Lachen geschehen kann. Derrömische Ruf: „Schafft Brod und Spiele!" ist ewig.
Je leichter obeuein ein Publikum lacht, desto vorsichtigermuß der Theater-Direetor sein mit Zurückweisung von Lust-spielen; denn es ist unschätzbar, fröhliche Unbefangenheit imTheater-Publikum zu erhalten. Zwei Mittheilen des Publikumsist die Erweckung völliger Heiterkeit eine Haupteigenschaftder Kunst. Und wer gut lacht, der weint auch gut, der ge-hört auch zum besten Theile des Publikums im Schau- undTrauerspiele.
Es ist dies eben die freie Hingebung an das Spiel, dasGrundelement aller Kunst, und eine solche Hingebung ist dieGrundbedingung eines lebensvollen Theaters.
Kein Publikum lacht so leicht und so gut wie das Wiener.Ich werde nie die Aufführung des „Marktes von Ellerbrunn"vergessen, welche ich einmal im Dresdener Hoftheater gesehen.Während des ganzen Abends lachte im ganzen Hause kein Mensch.Natürlich spielten auch die Schauspieler demgemäß. Wie es inden Wald hinein schallt, so schallt es heraus. Wenn die daunten keine heitere Wirkung melden, da werden sie oben auchtrocken und trockener. Ich war also der Meinung, das Stücksei durchgefallen, denn dasselbe Stück wird im Burgtheater lustiggespielt und lustig ausgenommen. Keineswegs! Ich irrte mich.Das Publikum war zufrieden; es schien nur gar nicht darangewöhnt zu sein, daß man laut lachen müsse, um sich lustig zuunterhalten.
Hier kommen wir auf einen Punkt, wo wir der alten strengenCensurzeit eine gute Seite abgewinnen. Weil dem Burgtheaterso lange alles Moderne vorenthalten wurde, entschädigten sichRepertoire, Schauspieler und Publikum durch sorgfältigste Aus-führung und aufmerksamste Hinnahme alter Stücke, namentlichalter Lustspiele. Man lernte die Citrone auspressen. UnschuldigeHeiterkeit war nicht verboten, und so cultivirte man sie geradezumit Raffinement. Das ist wichtig geworden und geblieben fürdas Lustspiel im Burgtheater; es wird da ausgeführt und aus-gekostet bis in die kleinste Faser.
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