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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
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zu gewinnen wußten, und unter diesen älteren Mitgliedern einMann wie Fichtner, ein Künstler im Lustspiele ohnegleichen!Es vergehen oft Generationen, ohne daß der Bühne ein solchesTalent ausgebildet wird ein Talent von so künstlerischerStrenge und Feinheit, und gleichzeitig von so reiner Liebens-würdigkeit, von so anspruchslosem und doch so wohlthuendemHumor. Neben diesen älteren Kräften aber ein Zuwachs jungerMänner, welche Sinn und Geist der neuen Zeit mitbrachten undin täglicher Uebung, ich darf sagen in täglicher Anleitung diesenGeist entfalten lernten unter der täglichen Controle eines festgeschlossenen und dabei lebhaften Publikums.

Man hat es geradezu sehen können, Schritt für Schritt sehenkönnen, wie alte und neue Zeit da harmonisch in einander über-gingen, wie eine junge Kraft gleich der Sonnenthal's die Grund-lagen Fichtner'schen Talentes sich allmälig aneignete und dochselbstständig in: geistigen Lebenskreise heutiger Welt eine ganzneue Figur aus sich gestaltete. Rollen des ganz alten Repertoireswurden da nie erreicht, denn sie gehörten in den eigentlichenLebenskreis Fichtners; in Rollen neuerer Zeit wuchs ihm Sonnen-thal dagegen bald bis an die Schultern, und in Rollen neuestenDatums zum Beispiele imGeheimen Agenten", im KonradBolz aus denJournalisten" war er ebenso groß und warganz anders. Die Uebung in moderner Geisteswelt brachte daein neues, ein modernes Colorit.

Der Wiener, welcher diese Uebergänge und Entwicklungenmit aufmerksamem Auge angesehen und wie viele solcheWiener giebt es! denn Wien ist jetzt der einzige Ort gewesen,in welchem ein mitschaffendes Theater-Publikum vorhanden ge-blieben ist solch ein Wiener hat eine dramaturgische Periodedurchgelebt, welche für Erziehung und Erhaltung eines erstenTheaters unschätzbar ist. Dies war damals ein Lustspiel, wirder noch in späten Tagen sagen, und leider müssen wir jetzt schonhievon wie von vergangener Zeit erzählen. Aeußere Störungenund der unerbittliche Tod haben den reichhaltigen Kreis gesprengt.

Der Tod hat uns auch Beckmann entrissen.

Die wirklich komische Kraft wird am höchsten geschätzt vonder Welt, gewiß am lebhaftesten. Die Mehrzahl der Menschenhat instinctmäßig das Bedürfniß, aufgeheitert zu werden. Jeder-mann strebt nach Glück, und heitere Stunden sind für Jedermann