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Als Mitglied ist sie erst 1845 ins Burgtheater getreten, undsie wurde hier in den ersten Jahren unter der Regieherrschaftnicht sonderlich gefördert. Sie geht aus dem Rahmen hinaus!sagte man, indem man ihr fröhlich natürliches Gebühren zumVorwande nahm, und ihre unnachahmlichen jauchzenden Töne,wenn eine lustige Katastrophe eintritt. Der wahre Grund lagaber in dem stillen Geständnisse: sie zieht die Aufmerksamkeit zusehr auf sich und sie ab von „unseren" komischen Alten; sienimmt ferner Rollen in Anspruch, welche wir brauchen.
Ein Körnchen Wahrheit lag übrigens in jenem Vorwürfevom „Rahmen". Sie läßt sich gehen, wie es ihre Lebensfüllemit sich bringt; sie ist nicht ängstlich mit Stichworten und über-springt sie zuversichtlich, sie hat endlich — und das ist oft sehrkomisch — keinerlei Sorge um Lokalsinn und geht vergnügtdurch die Wände ab, statt durch die Thür. Das ist aber auchAlles. Dies Körnchen Wahrheit geht unter in dem Vorzügeder Frau Haizinger, welcher gerade Hiebei berührt wird. IhrGrundvorzug besteht nämlich darin, daß sie sich bis in ihr Alterdie frischeste Natürlichkeit bewahrt hat, daß sie immer un-mittelbar lebendig erscheint, niemals abgedämpft durch irgendeine abstracte Schauspielerformel. Und ihre Natürlichkeit, ihreLebendigkeit sind zündend; die Lebenskraft, welche von ihr aus-strömt, ist echt, ist unverfälschtes Quellwasser. Sie ist vielleichtnicht so sehr humoristisch als fröhlich. Der Zuhörer fühlt sichbelebt und erfrischt, er vergißt den künstlichen Begriff einesTheaters, er ruft ihr zu, er jauchzt mit ihr, wenn sie jauchzt.Und sie thut das oft. Darin ist sie dem verstorbenen Wilhelminahe verwandt. Der erweckende Luftzug des wahren Talentestritt mit ihr aus die Scene und verbreitet sich im ganzen Hause.Ach, diese Kraft eines starken Naturells wird leider immerseltener auf dem Theater! Ist denn wirklich die Begabung soausgestorben? Oder wird sie geknickt durch lauter Bildung?
Es ist wahr, diese Art von Schauspielern ist durchschnittlichnur begabt, sie belastet und zersplittert sich den Sinn nicht durchStudien, sie macht sich nicht viel Gedanken außerhalb ihresBerufs. Frau Amalie widmet ihre Mußezeit mit glücklichemJnstincte dem „Fabuliren", wie die Frau Rath, Goethe's Mutter,gethan. Sie interessirt sich für alle Vorgänge, sie liest alleGattungen von Romanen. Die Fabel ist ja der ewige Reiz