385
werde ersetzt werden. Sein Fach wird wieder besetzt, vielleichtauch gut wieder besetzt; aber er selbst verschwindet, nur die Er-innerung an ihn bleibt, und diese kann als Beispiel fortwirken.Der Neue, welcher an seine Stelle tritt, sei er auch vortrefflich,ist ein Anderer.
Und gerade Fichtner war ein Typus dessen, was schön undlieb am Wesen des Burgtheaters, ein Urbild des anmuthigenSchauspielers, welcher milde Schönheit, liebenswürdige Mensch-lichkeit darstellt innerhalb bestimmter Grenzen.
Diese Grenzschranken waren für ihn aufgerichtet zwischenausgelassenem Lustspiele und höherem Trauerspiele. Alles, wasinnerhalb dieser Schranken liegt, fand in Fichtner einen voll-endeten Schauspieler.
Und er war so ganz ein Burgschauspieler, weil er seineganze Entwicklung langsam und allmälig durchgemacht hatteunter all den Einflüssen, welche dem Burgtheater eigenthümlichsind. — Vom Theater an der Wien war er herübergekommen,ein schmächtiger junger Mensch ohne Halt und Festigkeit, welchemder vorlaute Spott noch öfters nahetrat. Langsam und all-mälig hatte sich sein Talent entwickelt, aber stetig, regelmäßig,gleichmäßig in allen Theilen seiner Fähigkeit. Und deßhalb har-monisch. Alles an ihm war Talent; der Geist und die Leiden-schaft ordneten sich bereitwillig unter, und da die innerste Naturvon Hause aus rein und gut gewesen, in aller Folge rein undgut verblieben war, da die körperliche Erscheinung endlich vonseltenem Ebenmaße, durchweg von den Grazien begünstigt war,so erwuchs in ihm eine künstlerische Persönlichkeit ohnegleichen.
Alan hat wohl gefragt, ob seine geistige Kraft eben so großgewesen sei, wie die seines Talentes? Die Frage ist da fastmüßig, wo uns volle Harmonie im Kunstwerke entgegentritt.Sie ist erst berechtigt, wenn es sich um die Größe des Kunst-werkes handelt, und Fichtner entsagte nur zu gern Aufgaben,welche ihm über seine Begabung hinaus zu liegen schienen. Erwar ganz Künstler. In einem solchen sind alle Theile der Be-gabung, namentlich Geist und Talent, unscheinbar wie untrenn-bar verbunden; der Geist ist einverleibt, das Talent ist vergeistigt.Fichtner ist, um es recht einfach auszudrücken, ein verständigerMann, welcher bei der vorliegenden Aufgabe immer sehr gutwußte, was der Geist derselben bedeutete und forderte.
Laube, Burgtheatcr. 2. Aust. 25