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dem Glauben, daß er noch viel mehr gekonnt hätte, als er sichzutraute, wenn er frühzeitig auch mitunter an herbe Charakteristikgebracht worden wäre.
So wie er geworden war unter den Aufgaben eines Reper-toires, welches bis 1848 beschränkt und namentlich in engeBürgerlichkeit eingeengt wurde, war der große Umfang seinesTalentes durch folgende Endpunkte begrenzt: im ernsten Dramadurch die ideale Tragödie, im Lustspiele durch Nichts. Das ältereWiener Publikum wird mir Unrecht geben, wenn ich in deridealen Tragödie eine Begrenzung für ihn finde; es war auchda in Allem erbaut von ihm. Und er hatte auch in der idealenTragödie treffliche Rollen. Ich nehme nur diejenigen Rollenaus, welche rein idealen Schwung des poetischen Gedankens er-heischen. Diesen idealen Schwung verwandelte er in einen herz-lichen. Es war ein Schwung des Gemüthes, nicht auch desGeistes. Er spielte in den ersten Fünziger Jahren aus Gefällig-keit noch einmal den Don Carlos, und dies war ein Don Carlosfrüherer Zeit. Nicht wegen Mangels an jugendlichem Aussehenund Wesen — dies blieb ihm ja treu wie einem Halbgotte biszu seinem Abgänge — sondern wegen Mangels an Idealismus.
Dieser geistige Hauch, welcher über alle Bedingungen desrealen Lebens hinausweht, war ihm kaum erreichbar. Und eingeistiges Etwas, welches schonungslos über die Convenienzendes gesellschaftlichen Lebens hinwegspringt, versagte ihm auchbei Conversations-Rollen, sobald sie dies unverschämte Etwasabsolut brauchten. Zum Beispiele beim Marquis v. Auberivein der „Oeffentlichen Meinung". Das Publikum übrigens warauch da nicht von meinen Ansprüchen, es war von der allerdingsblendenden Erscheinung des alten Marquis so befriedigt, daß esdie unzureichend geschärften Worte dankbar hinnahm.
Nach der heiteren Seite gab es keine Grenze für ihn, alsdie des Geschmackes. Sein wohlthuender Humor war uner-schöpflich. Er konnte so fröhlich und so komisch sein, wie es seinTact nur zuließ.
Das Maßhalten war sein classischer Vorzug, und durch ihnadelte er die ausgelassenste Rolle.
Solch ein außerordentliches Talent zu verlieren — außer-ordentlich durch die ihm innewohnende Liebenswürdigkeit —,war ein unbeschreiblicher Verlust für das Burgtheater. Er trat