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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
Entstehung
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Ich halte es für schwer nachweisbar, daß diese Schule vonGoethe selbst ausgegangen sei; sie ist wohl nur unter seinerOberaufsicht entstanden. Obwohl er so lange Director gewesen,war er doch nie eigentlich ein Mann des Theaters. Man wirddas nie, wenn man nicht selbst gründlich ein dramatisches Na-turell ist, und das war Goethe nicht. Auf dem besten Wegezur dramatischen Form, imClavigo", wo große Scenen undder ganze vierte Act in echt dramatischer Form entstanden, ließer sich durch Merck abschrecken, und er ist nie wieder in diesendramatischen Gang zurückgekehrt. Er hatte in seinem umfassen-den Genius auch für diese Form große Anlagen, aber seineHauptneigung lag da nicht. Er hätte sich sonst gewiß nichtdurch Merck's Spöttereien vom dramatischen Wege abwendenlassen.

So kam es, daß der unmittelbare Ton, der streng drama-tische Ton ihm nicht im Vordergründe stand, als er das Theaterleitete. Der erhöhte Ton wurde Hauptstreben. Die Anknüpfungan die alte Götterwelt war ja gäng und gäbe in der Poesie;das Altclassische der griechischen Welt war geläufig wie eineClaviatur, sie brachte von selbst eine Steigerung des Tones mitsich. Man spricht von Zeus Kronion nicht in gelassener Rede,und man schrieb keine Prosa. Der Vers war unerläßlich. Ihngetragen und schwunghaft zu sprechen war Hauptaufgabe; denRhythmus schön zu betonen war stetes Ziel und so entstandwie ein poetisches Naturproduct die sogenannte weimar'scheSchule, ein Geschenk der classischen Stimmung viel mehr alsdas Product eines dramatischen Directors, ein Geschenk derSchönheit für uns, wie die unsterblichen Meisterwerke Goethe'Sund Schiller's aus jener Zeit für uns waren und sind.

Schiller selbst übrigens, obwohl in der pathetischen Rede vielhingebender und klangvoller als Goethe, war auf dem Theaternicht so hingebend an die blos rhythmische Vortragsweise. Dasentnehme ich aus kleinen Notizen, welche aus einigen Theater-proben auf uns gekommen sind. Schiller hielt diese Probenauf der weimar'schen Bühne und erwies sich bei dieser Gelegen-heit abweichend von der eingeführten weimar'schen Art. Ebenweil er im Innersten viel mehr Dramatiker war als Goethe,drang er auch beim Einstudiren viel mehr auf dramatische Ein-schnitte, auf Absonderung in der Rede, auf klare Ausscheidung