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alles dessen, was uns naheliegt. Nie habe ich das mit so leb-haftem Genüge empfunden, als da ich diese „Familie Benoiton"in Paris gesehen. Jener Eheconflict wird nichtig und beiläufigin Paris dargestellt, er gewinnt gar keine Bedeutung — bei unserscheint er fein, tief, von schlagender Wahrhaftigkeit und alsdas herrschende Auge des Ganzen. Das ganze Stück ist dadurchbei uns veredelt und gehoben.
„Die Hagestolze" („1,68 vieux Kursson8") sind als socialeSchilderung moderner Egoisten werthvoll. Die Charakterzeichnungkann und wird manchem deutschen Autor eine ergiebige Anregungwerden.
„Aus der Gesellschaft" war zuerst nur ein zweiactiges Stück.Es frappirte mich durch sein Thema: ein offenbar hiesiger Fürstsollte eine Gouvernante heirathen, und heirathete sie. Die Zu-lassung solchen Themas für das Burgtheater schien unerreichbar,denn dies Theater ist im Wesentlichen aristokratisch. Ein hoherCavalier steht immer an der Spitze und entscheidet über die Zu-lässigkeit neuer Stücke, fast sämmtliche Logen sind im Abonne-ment des hohen Adels — man kann eher eine mißliebigepolitische Tendenz zugänglich machen, als eine sociale, welchedie Standesunterschiede der vornehmen Kreise herausfordert.Ich war in Verlegenheit. Von Jugend auf indessen daran ge-wöhnt, das Princip meiner Aufgaben streng innezuhalten, auchauf Kosten meines Wohlbehagens innezuhalten, fühlte ich michdoch verpflichtet, das Stück einzureichen, obwohl es mir nicktsonderlich gefiel. Es war mir als Composition zu dünn und inEinzelheiten zu grell.
Man mißverstehe mich übrigens nicht mit dem Worte Princip.Ich meine hier nicht ein politisches oder sociales Princip, ichmeine ein ästhetisches, meine das Princip der Theaterleitung,welches ich mir ausgebildet.
Das Theater ist mir ein voller, wahrer Spiegel des Lebens;es soll also auch nicht zurückweichen vor einem Spiegelbilde,welches uns augenblicklich unbequem ist. Nur echt und wahrsoll dies Bild sein. Die Wahrheit sorgt für sich selbst, besterals wir kurzsichtigen Patrone es vermögen. Und auch in derKunst ist Nichts nöthiger und fördersamer als Wahrheit. Hatein Stück einen wahrhaftigen Stoff künstlerisch bewältigt, danndarf man unbekümmert sein um Meinungssätze. Es lebt und