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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
Entstehung
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wenn deßhalb das Theater meiner weiteren Mitwirkung ent-behren sollte.

Es liegen Nachrichten in Menge vor, welche für diesen Direc-tionswechsel noch andere Erklärungen aus persönlichen Motivenbeibringen. Dergleichen zu erörtern scheint mir aber an dieserStelle unangemessen. Man hat es vielfach und nachdrücklich aus-gesprochen, daß ein solches Umspringen mit den Kunstinteresseneines großen Institutes etwas Erschreckendes habe, da diese Kunst-interessen selbst gar nicht in Betracht gezogen würden. Man haterstaunt gefragt: wie das geschehen könne unter dem Widersprüchealler namhaften Kreise des Publikums, der hohen und höchstenebenso wie der mittleren und allgemeinen? Darauf antwortetman: die ganze Situation erklärt sich dadurch, daß der Kaiser nichteingreift in den Ressort seiner obersten Hofbeamten, auch dannnicht, wenn die Maßregeln derselben seinen Beifall nicht haben. DerHerr Obersthofmeister wird also nicht gestört in seinen Handlungen,und übernimmt selbstverständlich allein die Verantwortung derselben.

Was bedeutet diese Verantwortung? Wer weiß es! Es kommtauf das Gewissen Dessen an, welcher handelt, und es kommt aufden Charakter der Zeitepoche an, in welche so zuversichtlicheHandlungen fallen. Graf Czernin hat den Schreyvogel beseitigt,und durch die leichtfertige Einsetzung Deinhardsteins das Burg-theater tief beschädigt. Weiß Jemand, daß des Grafen CzerninGewissen hierdurch beunruhigt worden sei? Kaum. Das Gewissensetzt ja doch ein Wissen voraus. Wird dies Wissen oft vor-handen sein, wenn zur Uebernahme einer Regierung keinerleiFachkenntniß gefordert wird? Jene leichtfertige Handlungsweisegegen Schreyvogel fiel in eine anspruchslose Zeitepoche. Erstnach zwanzig Jahren wurde sie verurtheilt, als die taubenFrüchte des Theaters für Jedermann reif waren, und zu derNachfrage drängten: wer hat denn so kranke Bäume gepflanzt?

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! sagt die Schrift,und damit müssen wir uns bescheiden.

Der Zweck dieses Buches bringt es mit sich, daß ich das ebenablaufende Jahr der neuen Burgtheater-Direction, 18671868,noch schildre, und die Beschaffenheit der neuen Früchte noch an-deute. Ich werde das so unbefangen wie möglich thun, aberauch so rücksichtslos wahr, wie es meiner Anschauung entspricht.Denn ich will dem Institute nützen.