XXXIX.
Ich bin der Letzte, welcher gegen einen DirectionswechselEtwas einzuwenden hat. Ein alter Practikus hat einmal ge-sagt: man muß keinen Theaterdirector länger als sechs Jahreim Amte lassen. Denn nach sechs Jahren ist seine Originalitätund Productionskraft erschöpft; er copirt sich selbst, und beein-trächtigt die Entwickelung des Institutes, welches frische Säftevonnöthen hat.
Der alte Practikus hat gar nicht Unrecht, und ich persönlichwar schon lange geneigt, und war schon einige Male positiv aufdem Punkte, aus eignem Bedürfnisse zurückzutreten, und einerfrischen Kraft Platz zu machen.
Wenn ich also eine versprechende Person mit gutem Principhätte auftreten sehen, damit ich ihr Raum gäbe für neue Wirk-samkeit, ich hätte es wahrlich mit ganzer Bereitwilligkeit gethan.Ja, ich kann ehrlich hinzusetzen: mit Freude hätte ich dem neuenDirector alle Erfahrungen und erprobten Hilfsmittel zu Dienstgestellt, damit das Institut gedeihe und weiter wachse. Dennman liebt solch ein Institut wie man ein Kind liebt, dasman erzogen hat, und dessen gute Entwickelung Einem amHerzen liegt.
Aber dieser Wechsel widersprach Alledem. Für die Behördewar augenblicklich kein Bedürfniß des Wechsels vorhanden, denndas Institut war im Gedeihn, es hatte die allgemeine Stimmungfür sich, und der immer nothwendige und wohl auch berechtigteTadel ging nur auf Einzelnheiten, deren Verbesserung aufmerk-sam erstrebt wurde.
Und welche Person, welches Princip wurde eiligst an dieStelle geschoben? Eigentlich keine Person und kein Princip.
Baron Münch, als dramatischer Dichter Friedrich Halm ge-nannt, besaß und besitzt als Dramaturg gar keine Physiognomie,
Laube. Burgtheater. 2. Aufl. 27