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welcher im Tode Befriedigung und Erquickung gewähren kann,sobald der sterbende Mensch für einen großen Zweck stirbt.
Halm mag sich auf „Othello" berufen und auf die tragischeBerechtigung jeder Leidenschaft, und jedenfalls ist solcher Schritteines begabten Poeten zur Einfachheit und Wahrhaftigkeit vongroßem Werthe. Er läßt uns hoffen, daß seine fernere Productionsich von der blos künstlich poetischen Marotte, vom Kuhreigeneiner lediglich erträumten Welt ganz emancipiren, und uns nochganz gesunde Dramen schenken werde. Die deutschen Theaterwerden ihn darin bestärken, und werden ihren eigenen Vortheilfinden, wenn sie „Begum Somru" ihrem Publikum vorführen.
Der Sturz des Concordates gestattete in diesem Jahre end-lich die Wiederaufnahme des „Königs Johann", welchen ich desVerbotes wegen damals nicht über die Leseprobe hinausgebrachthatte. Das Stück konnte jetzt gegeben werden, hat aber keinenklaren Eindruck gemacht.
Das war vorauszusehen, sobald das Originalstück nicht einigeZuthat in der Composition erhielt. Die „Historien" Shake-speares sind eben unverändert keine Theaterstücke für uns, wenig-stens nicht vor einem lebensvollen Publikum, wie es in Wienden Ton angiebt.
In diesen „Historien" ist der historische Vorgang und dieCharakteristik der vorherrschende Gesichtspunkt, die dramatischeComposition steht in zweiter Linie, und tritt mitunter ganzzurück. Es fehlt also der durchströmende, geschlossene Zug derHandlung. Es geschieht Viel, aber das Geschehen steht imVordergründe, das Handeln, die eigentliche Macht des Dramas,die persönliche Entwickelung des Menschen durch folgerichtigeThätigkeit, der eigentliche dramatische Quell des Geschehens bleibtmeist verdeckt. Wir sind deßhalb zweifelhaft, für wen wir unsinteressiren sollen, und im Theaterstück müssen wir uns fürPersonen interessiren; wir zersplittern unsre Theilnahme aufPartien, auf einzelne Scenen — wir bleiben ohne den Eindruckeiner gesammelten Handlung.
Dazu hatte die Jnscenesetzung auch noch das Nächstliegendeverabsäumt: sie hatte auf den Proben nicht wahrgenommen, daßdie Personen viel zu viel Unklares und Schwülstiges sprechen,und daß sie davon befreit werden mußten, wenn sie nicht sämmt-lich ihre Reden abstumpfen und wirkungslos machen sollten.