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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
Entstehung
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stück von feiner, echter Liebesscene! die beiden Menschen der-gestalt zu einander, daß Jedermann im Publikum innerlich zu-stimmt und ruft: Ja, so entsteht wahre Liebe, die Beiden liebensich, sie gehören zu einander, sie sind König und Königinund so fällt der Vorhang unter enthusiastischer Zustimmung desganzen Hauses; das Fragment ist zu Ende.

Das Fragment? Ist es denn eines? Ich finde, die Vor-stellung hat erwiesen, daß es ein Stück ist, nicht blos ein Frag-ment. Einige breitere Vorbereitungen im ersten Acte, welcheallerdings für ein längeres Stück angelegt sind, brauchen nurabgekürzt zu werden, und es entsteht auch die wünschenswertheSymmetrie, und ein zweiactiges Stück ist abgerundet. Esliegt da seit langen Jahren beim Dichter als Fragment, weilder Dichter klar oder unklar empfunden hat, daß er sich mitdieser großen, und was die Hauptsache ist, mit dieser abschließen-den Liebesscene die Fortsetzung erschwert, wenn nicht vergebenhat. Ich meine: vergeben. Die höchste Karte ist ausgespielt,was kann nun kommen? Prüfungen? Rückgänge? Weil sieeine Jüdin ist, und die Juden fremd und verachtet waren?Das wird bei dem Sinne des Königs abfallend, nicht steigernderscheinen. So wie König und Esther angelegt sind, müßen sieschließlich doch vereinigt werden, oder es muß ein Trauerspielentstehen, dessen wohlthuende Macht nicht abzusehen ist nach dem,was vorliegt. Hofintriguen, Verhetzung der beiden Hauptpersonen,schmerzliche Trennung, welche nur auf gemachten Motiven beruht,also kein gutes Trauerspiel. Das verlängerte Schauspiel aberwird die Höhe dieser Liebesscene kaum wieder erreichen können,und wenn es sie wieder erreicht, so wird die Steigerung fehlen,und wir werden den mühsamen Weg bedauern, der nur an das-selbe Ziel führt.

In diesem Gedankengange wird wohl die Erklärung zu findensein, daß Grillparzer die Arbeit hat liegen lassen als Fragment.Wie dem auch sei, der alte Herr legt schwerlich nochmals dieHand an dieses Werk, und so thun wir Recht, wenn wir unsdie reizende, mit vielfältiger Weisheit bedachte Gabe als zwei-actiges Drama aneignen. Sie ist eine schöne Bereicherung derLiteratur und des Repertoires.

Es ist dieser König eine vortreffliche Kunstleistung Sonnen-thals, und ich mußte mir eingestehen: es war gut, daß wir da-