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Martin Luther (10. Novbr. 1483 — 18. Febr. 1546).Jugendgeschichte: Eisleben. — Mansfeld. — Magdeburg.— Eisenach. — Klosterleben in Erfurt. — TheologischeEntwicklung. — Die Rechtfertigung durch den Glauben.
Wie die Dinge ums Jahr 1517 lagen, konnte auch eingeringfügiges Ereigniß der zündende Funke werden für die ganzeNation, wäre auch ein unbedeutender Mann im Stande gewesen,den Anstoß zu dem zu geben, was kommen mußte. Aber das warhier nicht der Fall, der äußere Anlaß zwar stand kaum im Ver-hältniß zu seinen Folgen, aber der Mann, der durch seine Thesender Welt eine andere Gestalt zu geben bestimmt war, war eineErscheinung ersten Ranges, so bedeutend und hervorragend, daßer nicht in dem Strom der Ereignisse untergegangen ist, sondernsie bis zu seinem Tode leitend, kämpfend beherrscht hat.
Martin Luther war durchaus ein Kind dieser tief aufge-regten Zeit und ein echter Sohn des Volkes, dem darin die Füh-rerrolle beschieden war. Er hatte alle Merkmale echt deutschenNaturells, die derbe Wahrhaftigkeit des Sinnes, die zähe Aus-dauer, die ernste, tiefe Innerlichkeit deutschen Wesens, verbun-den mit all der "Neigung zur Mystik, zur trüben, entsagungsvollenBetrachtung des Lebens, die damals den ernsteren Geistern un-seres Volkes eigen war. Die qualvollen Seelenkämpse, das heißeRingen, die schroffen Gegensätze jener gewaltigen Uebergangszeitlassen sich kaum an irgend einer geschichtlichen Persönlichkeit soscharf und deutlich verfolgen wie bei ihm. Seine heitere thürin-