Der RegenSburger Fürstentag.
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Brennen, das Schänden von Franen und Jungfrauen, die ruchlo-sen Grausamkeiten gegen Alles, was Leben hatte, trieben dieLandsknechte Anderer mindestens ebenso entsetzlich als die seinen.Aber freilich neidisch blickten die Feldhauptleute auf ein Lager,dem es niemals am Nöthigen fehlte, weil in dem Raub und derErpressung ein wohlgeordnetes System waltete, während sie beidem besten Willen, es ihm in den Mitteln gleich zu thun, doch niedahin kamen, daß der Soldat ein halbwegs behagliches Auskom-men hatte.
Die Fürsten allerdings hatten schwer über ihn zu klagen.Alle hatte er beleidigt durch seinen herausfordernden Trotz, einigehatte er von Land und Leuten vertrieben, sich selber zum Fürstengemacht und ziemlich offen eine Politik eingeschlagen, die auf Ver-tilgung aller Fürsten hinauslief, um sie durch eine Aristokratievon glücklichen Soldaten unter einer kaiserlichen Militärdiktaturzu ersetzen*). In dem Hasse gegen Waldstein waren alle Ständeeinig, die Geistlichen verziehen ihm nicht, daß er von ihren Be-kehrungen Nichts wissen wollte und ihnen gelegentlich die Grob-heit entgegenwarf, „der Teufel und das höllische Feuer soll denPfaffen in's Gedärm fahren", von den Protestantischen war kaumEiner, dem er nicht das Land zu Grunde gerichtet, der nicht hättedarben müssen, während sein Hauptquartier schwelgte, und dieLiga wollte Rache für sein Verfahren gegen Tilly, für die ganzoffene Tendenz, ihre Bundesmacht bei Seite zu schieben, sie wo-möglich vollständig zu zertrümmern.
So bereitete sich ein allgemeiner Sturm vor gegen den„Diktator von Deutschland", wie Max von Baiern den Fried-länder nannte.
Im Juni 1630 kam der Fürstentag in Regensburg zusam-men — Reichstage gab es keine mehr bis 1640 — und dortwurde eine lange Beschwerdeschrift gegen Waldstein vorgelegt, derSchuld sei „an aller Trübsal, an allen Schanden und Lastern,an allen gräulichen und unerhörten Kriegsbedrückungen" und dieVerabschiedung des kaiserlichen Fußvolks sammt seinem Anführerbegehrt. Unter denen, die am Eifrigsten in diesem Sinne wirk-
*) fUeber seine Pläne mit Tilly und Pappenheim s. Gfrörer, GustavAdolf S. 632 ff f