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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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533
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Johann III. und Karl von Südermanland.

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wider seines Bruders Erich Willen, eine polnische Prinzessin ge-heiratet, die, eine strenge Katholikin, große Gewalt über seinGemüth besaß und Alles that, ihn zu ihrem Glauben herüber-zuziehen. Bald waren heimliche Jesuiten, die vor der Welt alsgute Lutheraner galten, sein täglicher Umgang und in Rom rech-nete man schon ganz zuversichtlich auf seinen demnächstigen öffent-lichen Uebertritt. Wir haben die Instruktionen, die den Jesuitenzugeschickt wurden, um das Bekehrungswerk zu fördern: sie solltenimmer nur vom Glauben, nie von den Werken reden und be-weisen, daß die katholische Lehre eigentlich nichts Anderes vor-schreibe als die protestantische.

Der Protestantismus war aber in Schweden nicht bloß einereligiöse Meinung, die man sich nach individuellem Bedürfniß sooder anders zurecht legen konnte, sondern eine große politischeThatsache von der hervorragendsten Bedeutung. Das ganze Reichruhte auf ihm und wenn auch der König in seinen Vermittlungs-plänen ganz loyal zu Werke ging, er mußte unausweichlich in eineganz falsche Stellung gerathen, wenn er lau war gegen eine Rich-tung, mit welcher die Existenz des Landes eng verknüpft war undliebäugelte mit der entgegengesetzten, die im ganzen Reiche keinenanderen Anhang hatte als seine Gemahlin.

So machte er denn allerlei todtgeborene Versuche, eine Ver-söhnung herzustellen, die keinem von beiden Theilen genügen konnte.Er ließ katholisirende Aenderungen im Gottesdienste zu und ließ1576 eine neue Liturgie erscheinen, der das neue Meßbuch desTrienter Concils zu Grunde gelegt war. Gegendas rotheBuch", wie das Volk sich ausdrückte, erfolgte nun großer Wider-stand im Lande. Damit hatte er gehofft, die Versöhnung beiderKirchen bewirkt zu haben; statt dessen erklärte sich fast die ganzeschwedische Geistlichkeit dagegen und den strengen Katholiken warnoch lange nicht genug geschehen.

Diese rückläufige Strömung trat nun offener und offenerhervor und je mehr das geschah, desto schwieriger wurde dieStellung des Königs im Lande. Das Volk sagte, der König istein heimlicher Jesuit und will uns Alle katholisch machen, und diewachsende Dreistigkeit der jesuitischen Prediger, die Abschaffungdes lutherischen Katechismus, die Ostentation, mit welcher die Kö-nigin ihrem Glauben nachging, schien diesen Argwohn zu bestätigen.