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Neunter Abschnitt. Z 34.
Gustav II. Adolf in Schweden (1611—1630).
Es folgte ihm, 17 jährig, sein ältester Sohn Gustav Adolf,der im angehenden Jünglingsalter zu einer der schwersten Regenten-aufgaben berufen wurde. Er kam nicht, vom einmnthigen Jubeleines glücklichen, zufriedenen Volkes begrüßt, er trat ein Erbevoll unversöhnlicher Feindschaft, voll ungelöster Verwicklungen an.Sein Vater hatte viel Feinde gehabt lind im Kampfe gegen Sig-mund und die Aristokratie deren noch mehr geweckt, Alles, waskatholisch war, haßte ihn und sein ganzes Geschlecht, die Mittelder Regierung waren karg, die Rechte der Krone bestricken, dasReich selbst in drei auswärtige Kriege, mit Polen, Rußland,Dänemark verwickelt und die katholische Wasalinie in Polen er-kannte seine Thronfolge gar nicht einmal an. Und im Laufe vonzwei Jahrzehnten hatte Gustav Adolf über alle seine Feindetriumphirt und eine königliche Macht hergestellt, die im Standewar, in dem Weltkrieg des Jahrhunderts entscheidend aufzutreten,die wieder zu erschüttern und zu stürzen nachher viel Unglück undUnverstand nöthig war.
Am 19. December 1594 war er, mitten in dem Kampfseines Vaters um die schwedische Krone, geboren worden. Nichtmilde, ruhige Tage waren es, in denen er aufwuchs: in einereisernen, kampferfüllten Zeit ist er zum Jüngling geworden undder Vater trug Sorge, ihn mit dieser Zeit innerlich vertraut zumachen. Als 11jährigen Knaben nahm er ihn mit in die Sitzun-gen des Staatsrathes, ließ er ihn hören und selbst sprechen inseinen Audienzen. Früh erwachte bei ihm der Sinn für kriegerischeDinge, an dem Hofe des Vaters, der von Offizieren fast allereuropäischen Heere besucht war, fand sich reiche Gelegenheit, dieseNeigung zu bilden und zu erziehen und die Feldzüge, denen eranwohnte, vervollständigten die Schule. Daneben wachte derVater darüber, daß der Thronfolger eine sorgfältige geistige undwissenschaftliche Ausbildung erhielt, wie sie in dieser umfassendenVielseitigkeit noch kein nordischer Monarch genossen hatte. Nochin jungen Jahren sprach er lateinisch, deutsch, holländisch, fran-zösisch, italienisch vollkommen geläufig, erbaute sich an seinemXenophon und studirte eifrig den Hugo Grotius. Daß über derfrühzeitigen Gewöhnung an politische, militärische, wissenschaftliche