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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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845
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Die Pfalzgräfin Elisabeth Charlotte, Herzogin von Orleans.

(Vertrag, gehalten im April 1865 im Museumzu Heidelberg.)

Der Gegenstand, den ich behandeln will, ist ein altes Lieb-lingsthema von mir, ein Lieblingsthema darum, weil die FürstinElisabeth Charlotte mehr als irgend eine andere mit den Erinne-rungen dieser Stadt und dieses Landes verknüpft ist, weil sie mehrals irgend eine der zeitgenössischen Persönlichkeiten in einer Zeit,wo deutsches Wesen auswärts und im eigenen Lande nicht hochge-schätzt war, trotz ihrer Verpflanzung in die ihr fremdartigste Weltdie Liebe zu ihrer deutschen Heimath und zum deutschen Wesenfrisch und jugendkrästig bewahrt bis in ihre letzten Tage.

Das Interesse an dieser Persönlichkeit ist denn auch im Laufder Jahre gewachsen. Noch vor einem halben Jahrhundert existir-ten höchstens fragmentarische und darum schief und falsch gefärbteAuszüge aus ihren Aufzeichnungen, diese gaben ein unrichtiges Bild,ein Zerrbild, unter dessen Eindruck noch heute viele von denenstehen, die sich nicht die Mühe genommen haben, das Späterezu lesen.

Als ich vor 20 Jahren zuerst die Lebensgeschichte dieser Für-stin schrieb, standen mir bereits werthvolle Materialien in ihreneigenhändigen Briefen an ihre Halbschwester zu Gebote. Nochjüngst ist aus der reichsten Fundgrube ein Briefwechsel mit ihrerTante Sophie von Hannover wenigstens im Auszug durch Rankebekannt geworden, so daß ein fast vollständiges Bild entworfenwerden kann. Die Geschichte, der Roman, selbst die dramatische