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Ludwig Häusser's Geschichte des Zeitalters der Reformation : 1517-1648 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Anhang.

Unsittlichkeit im Anzüge, aber das Alles mit einer wunderbarenGlätte und Eleganz, nicht bloß in der Sprache, sondern auch inden konventionellen gesellschaftlichen Formen glücklich verhüllt. Fastkein Wort, fast keine Wendung gab es mehr, die nicht eine Zwei-deutigkeit enthalten konnte, fürwahr ein glücklicher Triumph desMißbrauchs der Sprache.

So war es diesseits des Rheins nicht.

Ungeschlacht und derb, möglichst inkorrekt war die Sprache,in der selbst ein Leibnitz schrieb, aber im Kern gesunder und fähig,der Nation ein neues geistiges Dasein wiederzuerzeugen. Darumist ein greller jäher Abstand in der Form des Gedankenausdrucks,wenn man an die Diction der großen Namen der französischenLiteratur, an den Glanz und die Schönheit der akademischenSprache der Zeit Ludwig's XIV. denkt und daneben die Sprachehält, die damals selbst die ersten Deutschen gesprochen und ge-schrieben haben. Der Abstand ist entsetzlich, namentlich deshalb,weil wir noch nicht die Kunst gelernt, Euphemismen, derfremde Namen einer uns fremden Sache einzuführen; wirnannten Alles noch derb und plump mit dem Namen, der derSache entsprechend war. Es war im vollen Sinne einearmeund plumpe Sprache", wie sie der Chevalier unseres Les-sing nennt.

Eben dies macht manchem Leser die Briefe Elisabeth Char-lottens abstoßend. Aber man muß wohl beachten, daß es damalsin Deutschland keine andere Sprache gab, daß ein Leibnitz ihreSprache reich, eigenthümlich und an ursprünglichen Ausdrückenreicher fand, als die Schriftsprache, wenn sie auch in der Formnicht überall korrekt sei.

Das deutsche Wesen in seiner derbsten Ausschließlichkeit,in seinem bewußten Gegensatz drückt sich in den Briefen hundert-fältig fast auf jedem Bogen aus.

Ich halte es für ein großes Lob", schreibt sie,wenn mansagt, daß ich ein deutsches Her; habe und mein Vaterland liebe;dies Lob werde ich, ob Gott will, suchen bis an mein Ende zubehalten. Ich war schon zu alt, wie ich in Frankreich kommen,umb von Gemüth zu endern, mein Grund war schon gesetzt."

Mit besonderem Behagen meldet sie eine größere Gesellschaftvon deutschen Fürsten und Grafen, die sie um sich versammelt.