62 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.
die Zähne verschlissen, das Maul auch ein wenig verändert, indemes größer und runzeliger geworden, so ist meine schöne Figur be-stellt, liebe Amelise I Ich glaube, sie werden mich endlich närrischmit den Konterfeis machen, ich kann sie nicht von den Leuten be-kommen, so sie haben. Wovon kommen Euch die blöden Augen?Mich beucht, wie Ihr Kinder wäret, war es Karoline allein, soblöde Augen hatte. Ich muß lachen, daß Ihr sagt, daß ichbessere Okkupationen habe, als zu arbeiten. Wenn Ihr meint,daß der Himmel hier voller Geigen hängt, betrügt Ihr Euch sehr;die Langeweile regiert so stark hier, als in keinem Ort von derWelt. Viel Leute hier trinken Thee und Kaffee und Schokolade,aber ich nehme gar nichts von diesem Zeug, bilde mir ein, essei nicht gesund. Ich spiele auch nie, sehe nur etliche Male zu,wenn man abends ä 1'bombrs spielt. Ein Spiel, wobei manlachen und reden kann, würde hier sehr verachtet werden.
An die Raugräfin Amelie Elisabeth.
(26) Marly, 6. Februar 1699.
.... Eure Briefe gefallen mir recht wohl. Kontinuiert nurimmer natürlich und ohne Faxon zu schreiben. Denn Komplimentekann ich ganz und gar nicht vertragen. Wollte Gott, Ihr könntet mirwas schreiben, so mich könnte zu lachen machen! Denn das Lachenwird seit etlichen Jahren her sehr rar bei mir, entwöhne es schierganz und gar und mein Milz befindet sich nicht besser dabei.Glaubt nicht liebe Amelise, daß der Verstand in Komplimentenbesteht! In meinem Sinn erscheint er vielmehr, wenn man wohlund natürlich schreibt, wie Ihr thut. Die albernsten Leute vonder Welt können ein Kompliment behalten und schreiben, aberwohl von alles zu reden und einen kulanten Stil haben, das istrarer, als Ihr wohl meint; derowegen hat Eure große Demutunrecht. Euch glauben zu machen, daß Ihr nicht wohl schreibt.
-Wie Ihr mir Euer Leben beschreibt, finde ich es recht
angenehm. Hier gereut es einem bald, ivenn man frei gesprochenhat, drum lebe ich so einsam. Mich wundert, daß der Kaiserdem römischen König seine Leute hat selber wählen (lassen), dasmüßte hier Mr. 1s äauxbia nicht unterfangen, es ginge nicht an.Es ist mir leid, daß man der römischen Königin eine intriganteFrau gegeben, das wird ihr übel zu Paff kommen, welches mirsehr leid wäre, denn ich habe die gute Königin recht lieb. Die