Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans. 77
wenn sie nur meine Freundin sein wollte. Hieraus hat sie mirviel schöne und eloquente Sachen gesagt, und ihre Freundschaftversprochen und wir haben uns embrassiert. Hernach habe ich ihrgesagt, es wäre nicht genug, daß sie mir entboten, daß der Königmir ungnädig wäre, sie müßte mir auch sagen, wie ich wieder inGnaden kommen könnte. Darauf hat sie mir geraten, ganz offen-herzig mit dem König zu sprechen, selber gestehen, daß ich sie ge-haßt hätte, weil ich gemeint, daß sie mir bösen oltivs bei demKönig thäte, auch warum ich böse über den König gewesen. Die-sen Rat habe ich gefolgt, und wie mir Monsieur gesagt hatte,daß der König auch böse wäre, daß ich E. L. zu offenherzigschreibe, so habe ich auch diesen Artikel traktiert und gesagt, daßdies I. M. nicht müßte Wunder nehmen, daß E. L. die Personvon der Welt wären, an welcher ich am meisten attachiert wäre,aus roconriaissones und aus Inklination, daß ich E. L. meinHerz zu allen Zeiten öffnete, und daß so lange I. M. mir deroGnaden erzeigt, hätte ich's E. L. gerühmt; da E. M. mich übeltraktiert, hätte ich E. L. geklagt und könnte nie anders vor E. L.sein. Der König sagte, er wüßte nichts von meinen Briefen, hättekeinen gesehen, es wäre nur eine Einbildung von Monsieur ge-wesen, er finde nicht übel, daß ich E. L. als eine Mutter ehrteund liebte, aber E. L. haßten ihn. Ich sagte, E. L. admiriertenallezeit seine großen Qualitäten, allein wenn es E. M. beliebte,würden sie auch von E. L. geliebt werden. Nachdem ich I. M.alles ausgelegt und klar gewiesen, daß so übel sie mich auch trak-tiert, ich sie doch jederzeit respektiert und geliebt hätte, ja allezeitgroße Freude gehabt, wenn sie mich nur bei sich leiden wollen,da hat mich der König embrassiert, gebeten, das Vergangene zuvergessen, und hat mir seine Gnade versprochen, lachte auch, wieich ganz natürlich zu ihm sagte: 8i so as vous avais xs-ssims, so n'surais pas tant bai raaä. cts Naintsnon, oro^antgu'slls Ill'otuit vos boimos Aravos. Endlich hat sich alles gargnädig geendet, ich habe zu I. M. gesagt, daß wie dies der ein-zige Trost in meinem Unglück wäre, so könnte ich nicht lassen,E. L. solches heute zu berichten, welches I. M. approbiert haben.Heute werde ich noch einen betrübten Tag haben, denn um 3 wird
*) „Wenn ich Sie nicht geliebt hätte, würde ich Frau vonMaintenon nicht so gehaßt haben, in der Meinung, daß sie mirIhre Gunst raubte."