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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans. 143

aber das 3. oder 4. Mal zieht er ein Fisch, nimmt ihn von derAngel und wirst ihn wieder ins Wasser. Es sind auch Schwanenund Enten, so auf dem Wasser schwimmen. Ich glaube, daß ichdie Hälfte vergesse von Alles, so in dem Gemälde; ist recht artigzu sehen.

An dieselbe.

(12V) Versailles, 15. Februar 1710.

Ich werde mein Leben nicht so weit bringen als es inatants, Gott Lob und Dank, bringt, denn ich habe schon keinenAtem mehr, wenn ich nur 20 Schritt ein wenig stark gehe, mußich keuchen, das macht nicht gar lang leben. Das setzt mich aberin gar keine Sorgen, werde meine Partie bald fassen, wenn'Sdran kommen wird. Es stehet in Alceste:6s sont lss ckou-sanrs cis la vis, gut tont les borrsurs clu trsxus" st, undwie ich deren nicht gar häufig habe noch gehabt habe, werde ichdesto leichter mein Paket für diese lange Reise machen können.Ich finde mein Enkel so delikat, daß ich nicht glauben kann, daßer lang leben wird. Er ist zwar groß für sein Alter, aber sonstin Alles schwach und delikat. Die Kinder sind artiger in mei-nem Sinn, wenn sie ein wenig kopischst find, es ist ein Zeichenvon Verstand. Die Kurprinzeß hat recht, ihm den Kops in derersten Jugend zu brechen und nicht zu leiden, daß er sein Schwester-chen nicht schlägt, sondern sie karessieren machen. Ich habe meinenSohn klein mein Leben keine Maulschelle gegeben, ich habe ihnaber so brav mit der Rute gestrichen, daß er sich's noch erinnert;Maulschellen sind gefährlich, indem es dem Kopf schädlich seinkann.

An dieselbe.

(121) Versailles, 28. Juni 1710.

Herzliebe Louise, diese Post habe ich nichts von Euch em-pfangen. Ich fürchte, daß Eure Augen schuld dran find, welchesmir von Herzen leid wäre. Der Kurier mit der Dispense fürden Duc de Berry st und mein Enkel ist noch nicht angekommen,

stDie Süßigkeiten des Lebens machen die Schrecknisse desTodes.

st köpfisch, eigensinnig.

st Der Herzog von Berry, früher Freiwilliger bei der Rhein-