Buch 
Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
Entstehung
JPEG-Download
 

Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlöans. 167

schale oder eine gute Biersuppe, das thut mir nicht wehe imMagen. Das kann man hier nicht haben, denn das Bier taugtnichts hier. Man hat auch hier kein braunen Kohl noch gutSauerkraut. Die alles äße ich herzlich gern mit Euch, wollteGott, ich könnte so glücklich werden! Aber man ruft mir zurTasel, muß wider Willen schließen. Von den französischen Ra-gouts esse ich kein einziges. Adieu, herzliebe Louise! Ich hoffe,wenn meine Kräfte mir wieder werden kommen sein. Euch fleißi-ger, als ich bisher gethan, zu versichern, daß ich Euch bis an meinEnd von Herzen ^b behalte.

An dieselbe.

(152) Marly, 15. Januar 1713.

Ich muß Euch noch sagen, daß mein Doktor mir das Kaffeeordiniert; ich finde es abscheulich, kann mich nicht an den bitternRußgeschmack gewöhnen. Ich wollte Euch gern noch länger entre-tenierm, allein ich muß an mein arme Tochter schreiben, vorwelcher ich in rechten Aengsten bin. Ihr liebstes Kind, ihr zwei-tes Prinzchen, ist todkrank. Sie hat die 3 andern noch nicht ver-schmerzt, fürchte, daß dieses letzte sie selber wird sterben machen,bin also in rechten Sorgen. Die Post hat mir heute gefehlt,welches mich recht krittlich macht. Gott wolle meiner Tochterbeistehen! Bis Donnerstag werde ich Euch sagen, wie es abge-laufen, denn in der Zeit muß das arme Prinzchen tot oder sal-diert sein.

An dieselbe.

(153) Marly 2. März 1713.

Herzallerliebste Louise, ich hatte gehofft, daß, weil der Königgestern Medizin genommen, daß I. M. erst morgen jagen wür-den und ich also Zeit finden Euch einsmals einen räsonnablen Briefzu schreiben; aber Is äiadla au. ooutrstsiuxs, wie man es hierheißt, hat dieses ändern machen und wir haben heute gejagt.Habe erst um 3 zu Mittag gessen, hernach an i»a tants geantwortetund 14 Bogen geschrieben, bleibt mir also gar wenig Zeit übrig.Ich bin noch matt und schlimmer auf die Beine als nie, aberdas irret mich wenig. Daß mein Sohn das 3tägige Fieber garstark zu Paris hat, liegt mir mehr an. Morgen ist sein besterTag und ich werde ihn besuchen, werde abends wieder her; kon-