172 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.
saison. Ihr wißt, daß ich mich für Euch und Euren Neveuinteressiere, weilen Ihr mir lieb seid. Wozu dient dann dasKompliment, das Ihr mir macht, und die Entschuldigung, daßIhr mir den Brief schickt, wodurch Ihr erfahren, daß er nichttot ist? Wenn Ihr es so macht, so werde ich als singen: „OPfuydian, hinaus, hinaus mit dem Kompliment! Pfui, pfui, oPfuydian, hinaus und all die solche sein!" Ich glaube, Ihrwerdet Euch dieses Possenspiel noch wohl erinnern! Sagt mirdoch, hat man es nicht zu Göhrde vergangen Jahr gespielt? Esist besser, mit einem falschen Geschrei erschreckt zu werden, alswenn's wahr wär. Wenn Ihr meint, übel geschrieben zu haben,so ist es noch hundertmal schöner, als ich schreibe. Ich habewohl gemerkt, daß es ms. Innts verdrießt, wenn sie etwas inihren Briefen vergißt, aber alles, was sie schreiben, ist so ver-ständig und lebhaft, daß sie wohl nicht zu sorgen hat, daß manglauben sollte, daß was kindisch gesunden werden könnte, in ihrenlieben Schreiben, die meine größte Freude sein.
An dieselbe.
(159) Versailles, 7. Januari 1714.
.... Von Heiligen sage ich nichts, denn ich habe meinem
Beichtvater versprochen, nicht mehr davon zu reden, denn dieSprache habe ich nicht recht gelernt. Ich weiß nicht, wie man diefranzösische Ragout in Deutschland macht, aber hier ist es nichtsals starke Fleischbrühe, so ich nicht leiden kann, Pfeffer und Salz,daß einem das Maul offen bleibt, und viel Zwiebel und Knob-lauch durcheinander. In einer baib«- Robert esse gern Zwiebel,in einem Hammelschlegel gern Knoblauch, aber mit all dem an-dern Geschmier schmeckt es mir gar nicht und ziehe unsre deutscheEssen diesem allen vor. Suppen esse ich mein Leben nicht wegendie Fleischbrüh, so mein Magen nicht vertragen kann. Die eng-lische Essen schmecken mir besser, als die französische. Ein Huhnmit Reis könnte ich nicht essen, denn es schmeckt nach Fleischbrühe,Saffran kann ich auch gar nicht leiden, zu diesen Speisen müßtIhr mich nicht laden.
An dieselbe.
(160) Versailles, 22. März 1714.
Ich gestehe, daß ich im Anfang recht touchiert über die