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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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174 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.

hat blonde, Platte und ziemlich fette Haar, mehr rot als bleich,ein länglich Gesicht. Er weis; viel Künste, steckte einmal in derGallerie im englischen Bau den Sack voller Fledermäuse undsagte, er könnte Künsten und Remedien mit machen; aber dieFledermäuse müssen, wie ich sehe, nicht gut zu der sointigns^)sein, weilen er ins Wildbad gehet. Warme Bäder sind hier vielin Frankreich aber ich kann weder in nahen noch weiten. NachAachen ließ man mich nicht, darf leider nicht dran gedenken.Gras de la Marck ist hingereist. Wie gern wäre ich auch hin!aber da ist leider nicht an zu denken. Das ist eine modeste Ko-ketterie, daß Ihr sagt, daß ich Euch lieber haben werde vonweitem, als von nahem, denn Ihr wißt wohl das Konträre.Aber, liebe Louise, wenn Ihr von Alter sprecht, so denkt Ihrnicht, daß ich 10 Jahre älter bin als Ihr, also wenn Ihr Euchäsorsxits macht, muß ich unter die Erde kriechen. Ihr seidmeines Herrn Vaters Tochter, Ihr seid voller Tugend, sehe auchwohl aus Euren Briefen daß Euch der Verstand nicht fehlt,warum sollte ich Euch denn nicht lieb haben? Ich habe es auchan unsrem Herrn Vater s. und an Euer Frau Mutter verspro-chen, Euch alle zu lieben, und habe noch nie an dieser Verspre-chung gefehlt, und wenn Ihr 10 mal ärger wäret, als Ihr Euchselber beschreibt und ich wohl weiß, das nicht wahr ist, so würdeich Euch doch lieb haben, liebe Louise! Meint Ihr, daß ichkeine Betrübnis hier gehabt habe? Ihr sollt Euch verwundern,wenn Ihr wüßtet, was ich ausgestanden, daß ich noch im Lebensein kann. Ich lebe, aber ich bin so veraltet, daß ich fest glaube,daß nm tewts jünger aussieht, als ich. Ich muß gestehen, daßHerzog Anton Ulrich Andenken in seinen letzten Zügen mich überdie Maßen touchiert hat, mein Trost ist aber, daß um tantsnoch bei guter Gesundheit ist. Gott erhalte I. L. längere Jahre,als mich selber! Von ma. tsnta Tod mag ich nicht hören, wennI. L. davon schreiben, bin ich den ganzen Tag traurig. Wozuist es gut, allezeit an den Tod zu gedenken? Man weiß es wohl,daß man sterben muß, aber allezeit dran zu gedenken, macht nurtraurig und hilft zu nichts, man weiß ohne das, daß wohl lebenunsre Schuldigkeit ist. Bischöfe dürfen hier nichts thun ohne des

Kampfe, der unter dem Namen spanischer Erbfolgekriea bekanntist, ein Ende machte.

') Hüft-, Lendenweh.