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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefs der Elisabeth Charlotte von Orleans. 187

Versailles sein werde, werde ich thun, was der König von Eng-land begehrt, und alle die Briefe von unsrer lieben Kurfürstin s.verbrennen, so etwas vom Haus drinnen stehet. Die alte Zott,die Herzogin von Celle , breitet zu Paris ein Geschrei aus, somich pikiert hat, nämlich, daß der Kurfürst von Braunschweig,seit er König ist, sie mit aller Gewalt hat haben wollen, um siemit sich nach England zu führen, daß sie aber einen so großenWiderwillen gegen ihren König hat, daß sie ihm sagen lassen, siewolle lieber all ihr Leben im Schloß Ahlden zubringen, als wiederals seine Gemahlin zu wohnen. Das gibt ein Ridikül, so michverdrießt. Ich kann nicht glauben, daß es wahr ist, glaubte eherdas Konträre, nämlich, daß sie sich offeriert und man fie nichthat annehmen wollen. Ich bitte Euch, liebe Louise, informiertEuch was dran ist und ob ich recht erraten habe. Bisher habeich mich nicht resolvieren können, einen einzigen Brief von in»ismts s. zu brennen, als die, welche sie mir expreß befohlen zubrennen. Freilich habe ich ma taute Kinder lieb, sie sind mirja nahe genug dazu, zum andern aber, so war ich ja I. L. s. soergeben, daß sie nichts lieb haben konnten, so mir nicht auch gleichlieb war. Unser neuer König hat das, er ist trocken und miß-trauisch, und wenn man bei sich selber verspürt, daß man niekeine Ursach hat geben, das Mißtrauen zu erwecken, so verdrießtes einem doch ein wenig. Es geht mir wie den Kindern, sosagen:ll'aiioa paxa ot inaraa." So geht mir's auch; ichliebe unsern Kurfürsten, so König worden; unser König in Eng-land hier und die Königin, seine Frau Mutter sind mirauch lieb. Ich wollte, daß unser Kurfürst ein ander Königreichhätte und unser König in England das seine, denn ich gestehe,daß ich den Engländern kein Haar traue, fürchte als, es wirdunsern Kurfürsten, jetzt König, ein Unglück begegnen. Gott be-wahre ihn gnädig davor! Sollte der König so absolut in Eng-

') Sophie Dorothea, die Tochter des letzten Herzogs vonCelle, seit 1682 mit Georg I. (S. 182 A. 3) vermählt, seit 1694im Schloß von Ahlden gefangen gehalten wegen ihres Liebesver-hältnisses mit dem Grafen von KönigSmark.

2) D. h. der in Frankreich lebende Prätendent Jakob III.,geb. 1688, gest. 1766, seit seines Vaters Jakob II. (1761) Todevon Frankreich als englischer König anerkannt.

b) Die zweite Gemahlin Jakobs II., Maria von Este, Prin-zessin von Moden«.