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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Borrede.

Ohne eine im Wesentlichen zuverlässige Textes-grundlage dieser Art wäre an eine Herausgabe Häus-ser'scher Vorlesungen gar nicht zu denken gewesen.

Was zunächst die Nachschriften von Zuhörern angeht, so weißJeder, der bei Häusser gehört hat, daß von den Hunderten, dieseine Vorlesungen besuchten, nur ganz ausnahmsweise Einer nach-zuschreiben versuchte, und wer es etwa selbst ohne große Uebungin der Stenographie unternommen hat, weiß wiederum, daß dierascheste und geübteste Anwendung einer gekürzten Current-schrift nothdürftig ausreichte, um einige Notizen aufs Papier zubringen, aber nicht, um etwas einem halbwegs vollständigen TextAehnliches zu fixiren. Auch die besten Aufzeichnungen solcher Artkonnten sehr erwünschte Detailbeiträge zu einem anderweitig ge-sicherten Texte, aber niemals diesen selber darbieten.

Was sodann den Häusser'schen Nachlaß betrifft, der mir vonder verehrten Familie des Verstorbenen aufs Bereitwilligste aus-gefolgt worden ist, so bot derselbe gleichfalls nicht, was wir zuerstdarin suchten. Es fand sich ein stattlicher Stoß von Excerptenaus den Quellenwerken, von Notizen für den Vertrag, aberlediglich keinerlei Art von Ausarbeitung, denn dasmuß hier ausdrücklich hervorgehoben werden - die wegen ihrerFormvollendung mit Recht bewunderten Vortrage Häusser's warenvon Anfang bis zu Ende improvisirt, insoweit bei wissenschaft-lichen Vortragen überhaupt von Improvisation die Rede sein kann.

Häusser hat auf der Lehrkanzel nicht gelesen, sondern geredet;wie er hier kein Blatt Papier znr Hand hatte, so ruhte auch seineVorbereitung nicht auf einem formell ausgearbeiteten Heft, son-dern allein auf den sachlichen Ergebnissen seiner wissenschaftlichenForschungen. Die Verwandlung dieses Rohstoffes in ein Kunst-werk der Darstellung geschah ohne Beihilfe der Feder. Die frischeschöpferische Unmittelbarkeit der Behandlung eines durch und durchbemeisterten Gegenstandes war der größte Reiz dieser Vortrage, diedarum für den Hörer immer wieder neu und gleich anziehendwaren, obgleich sie sich Jahr für Jahr unter demselben Titelwiederholten.