Ausgang Ludwig's XV. — Anfänge Ludwig's XVI.
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persönlicher Würde abhanden gekommen war. Ein Königthum mitdiesem schandbaren Maitressenregiment, das den Wohlstand desVolks, die Ehre der Nation, die Macht des Staats verschleudertean königliche Buhlerinnen und deren Crcaturen, war wahrlich ge-eignet, die Erbitterung jedes Volks, wie vielmehr des französischen,dem Ueberschänmen nahe zu bringen. Und wie war mit dem König-thum die Umgebung des Thrones, der Adel und die Geistlichkeitherabgekommen! Zu den guten Zeiten Ludwig's XIV. waren diegroßen Adelögeschlcchter würdig vertreten gewesen, die Turenne,Lnxembonrg, Conde waren große Männer, die durch ihre Ver-dienste ihren Adel recht eigentlich erst geadelt hatten. Davon warjetzt nichts mehr zu sehen, selbst nicht an den leiblichen Nachkom-men jener Geschlechter. Auch in diesen Schichten hatte der Ver-fall. die Entwürdigung und zugleicb die persönliche Nichtigkeitfurchtbare Fortschritte gemacht.
Dasselbe galt vorn Clerus. Das abgelaufene Zeitalter hatteMänner wie Bossuet,Massillon, Bonrdaloue, Fenelon hervorgebracht,auf die die "Nation noch jetzt stolz war. Wo waren im 18. Jahrhun-dert die Bischöfe, die auch nur Einem von diesen vergleichbar gewesenwären? Die Männer, die in diesem Stande Etwas bedeuteten,die Siehes und Tallehrand, hatten weder den Wunsch noch denAnspruch, als Geistliche sich die Unsterblichkeit zu sichern. Alles,was am Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts nochimposant und würdig dagestanden hatte, war dahin vom Königund den Pairs des Reichs bis zu den Bischöfen, und die letztenzwanzig Jahre der Regierung Ludwig's XV., namentlich die Zeitvom siebenjährigen Kriege an bis zürn Tode des Königs, warenwie darauf berechnet, die Stimmung des Murrens, der frondiren-den Opposition zu einer tiefen sittlichen Entrüstung zu steigern.Eine kriegerische Nation kann Niederlagen schwer, Schmach undEntehrung nie verzeihen, darum sagte Mirabeau, die Schmach beiRoßbach habe dem Königthum den Hals gebrochen; der siebenjäh-rige Krieg hatte Frankreich seine Colonialmacht gekostet, noch mehr,die Ehre der französischen Waffen war in den Händen eines ge-wissenlosen, gottvergessenen Dirnenregiments vor ganz Europa bei-spiellos herabgewürdigt worden, der einst glänzende militärischeVorrang Frankreichs war au Neulinge übergegangen und diegroßen Ereignisse des l 8. Jahrhunderts, wie die Theilung Polens
Häusser, französische Revolution. 4