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Einleitung, tz. li.
die Königin angeblich nach und nach abzutragen versprochen hatte.Das ging eine Zeitlang. Der Graf Lamotte ging mit dem Hals-band nach England und verjubelte den Erlös mit guten Freunden,während die Juweliere des guten Glaubens waren, sie hätten denSchmuck der Königin verkauft. Dem Cardinal war aber doch auf-fallend, daß die Königin das Halsband niemals trug und daß sieihn, so oft er sich am Hofe zeigte, mit der früheren abstoßenden,Habsburgischen Haltung behandelte. Auf eine Klage darüber er-hielt er aus der Fabrik der Lamotte zärtliche Briefe und am Endegar die Zusicherung eines Stelldicheins mit der Königin im Parkzu Versailles. Irgend eine verlorene Dirne, die der Königin inGestalt und Wuchs ähnlich war, wurde herausgeputzt und hattedas Stelldichein mit dem kindischen Cardinal. So spielte dieschmutzige Geschichte zwei Jahre lang und das Entsetzliche daranist, daß in all diesen Kreisen gar kein Zweifel rege wird, ob esdenn nur denkbar sei, daß die Königin einen so übel beleumunde-ten Menschen wie den Cardinal als Bürgen für ihre Redlich-keit aufstellen, ja sich mit ihm in ein Liebesverhältniß einlassenkönne.
Es mußte endlich zum Bruche kommen. Die Juweliere hat-ten noch einen Theil der Summe zu fordern und wendeten sichunmittelbar an die Königin, ohne aber die Sache ganz klar dar-zustellen. Die Königin warf das Billet bei Seite, sie meinte, essei ein Mißverständnis;. Nach einiger Zeit kamen die Juweliereabermals, entschlossen, diesmal den König nicht zu umgehen. Derschmähliche Betrug kam an's Tageslicht, im ersten Unwillen ließder König den Cardinal während einer großen Feierlichkeit in derKirche festnehmen, verletzte dadurch die ganze Clerisei aufs Tiefsteund begann des Weiteren ein Verfahren gegen den betrogenenBetrüger, das den Uebelwollenden die allererwünschtesten Waffengegen den Hof in die Hand gab.
Die Bemühungen des Hofes, vom Parlamente eine Verurthei-lung des Cardinals zu erwirken, erweckten den Verdacht, daß manihn stumm machen wolle, damit er nicht noch mehr sage, und inganz Frankreich zweifelte kein Mensch, daß die Österreicherin, desSchlimmsten fähig, auch in dieser Sache schuldig sei.
Das Parlament sprach den Cardinal frei, das Verbrechen,das man ihm vorwarf, hatte er nicht begangen, und was er be-