Fragment: Preußen und Polen 1791 — 1792. 253
rigkeiten bereiten werde gegen eine Theilung (Note vom 13.März.)
Indessen operirte Rußland weiter.
In den ersten Tagen des März wurde Goltz aus die Frage, wiees mit der Mittheilung nach Wien stehe, von Markoff erwidert(Goltz d. d. 2. März): es seien dorthin Eröffnungen gemacht, abervorsichtig, denn Oesterreich sei nicht so sehr dabei interessirt wiePreußen und Rußland, und vor Cobenzl suchte dieser den Scheineiner besondern Besprechung mit Goltz zu vermeiden.
Jetzt erfolgte auch eine Aeußerung an Oesterreich. Es sei,heißt es in einer Denkschrift, die Spielmann verfaßt, für Oester-reich und Preußen gleich wichtig, daß in Polen Ruhe und Ordnungherrsche. Man habe Nichts gegen die Verbindung mit Sachsen;um jeder Gefahr zu begegnen, könne die Verfassung in einzelnenPunkten modificirt, die Stärke der Armee beschränkt werden. Indieser veränderten Gestalt könnten aber Preußen und Oesterreichsie garantiren.
Dieser Antrag fand in Berlin eine runde Ablehnung; es seiNichts gefährlicher als eine dauernde Verbindung Polens mitSachsen. Wenn mau nicht von Oesterreichs Loyalität überzeugtwäre, müßte man durch solche Vorschläge stutzig gemacht werden.
Die Ansichten gingen also noch zu weit auseinander, als daßeine Verständigung möglich schien. Rußland zeigte sich mißmuthigüber Oesterreich. Preußen betrachtete die Sache zunächst als auf-gegeben, aber Rußland ließ nicht ab, Preußen kirre zu machen.„Wenn wir einig sind, sagte Ostermann zu Goltz (dessen Notevom 27. März) und unser altes Zutrauen, wie ich hoffe, wieder-kehrt, so besteht keine Schwierigkeit weder für Euch noch für uns."
In diesem Sinne wird dann operirt; Oesterreich hält sichzurück und bedauert, daß man den von ihm vorgeschlagenen Aus-weg zurückweise. Kaunitz machte die richtige Bemerkung, daß dieseSache nur dazu dienen werde, von der französischen abzuziehen.Aber Rußland geht unbekümmert voran, zeigt Oesterreich un-freundliche Mienen, dringt in Preußen sich zu entscheiden.
Preußen seinerseits, in dem richtigen Gefühl, daß ohneOesterreich doch Nichts zu machen sei, sucht zurückhaltend zubleiben, um nicht den Schein zu erwecken, als lasse es sichzu leicht von den russischen Anerbietungen locken. Allzu be-