Buch 
Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
Entstehung
Seite
263
JPEG-Download
 

Charakteristik der Versammlung. Die Gironde. Der Hof. 263

die sichere Schlagfertigkeit des treffenden Witzes; lauter Leute vonmehr rhetorischen als staatsmännischen Anlagen und ihrem Berufenach Kaufleute, Advokaten, Richter, Schriftsteller.

Nicht der gemäßigte Mittelstand von 1789, der die Revolu-tion abschließen wollte, die neue Mittelklasse hatte sie geschickt, diesich an der ersten Revolution nicht genügen ließ, und vor Un-geduld brannte, auch den letzten Rest der alten Formen mit Stumpfund Stiel zu zerstören.

Die Männer von der Gironde waren alle demokratische Doktri-närs; ihre Demokratie war ein theoretisches Ideal, ein politischerZustand, wo der Geist dominiren, die Philosophen Könige undKönige Philosophen sein sollten.

Ihre Vorstellungen waren beherrscht durch amerikanische, an-tike und Rousseau'sche Reminiscenzen, aber ohne alle Wirklichkeitund ohne jeden Boden in dem augenblicklichen Zustande Frank-reichs. Sie machten die Politik mit dem Gemüth und der Phan-tasie, waren Demokraten auf dem Parketboden, denen vor denElementen schauderte, welche bei der Schöpfung einer wirklichenDemokratie als Hebel dienen müssen; wie sie sich den Gang derDinge ausgedacht hatten, mußte man die Monarchie bis zu einemPunkte ausbilden und entwickeln, wo sie sich geräuschlos von sel-ber aufhob und dann, wie Pallas aus Jupiters Haupt, eine De-mokratie fertig hervorsprang. Sie meinten, eines Tages würdendie Menschen als Monarchisten schlafen gehen und am nächstenMorgen beim Erwachen die ideale Republik vorfinden und ver-gaßen ganz das Wort Friedrichs des Großen, daß „die Menscheneine verwünschte Race" sind.

Darum waren sie weder draußen bei den Männern, die ihrePolitik mit den Fäusten machten, die einflußreichen Rathgeber,noch waren sie unbedenklich genug, mit den Mitteln zu arbeiten,die man in solchen Fällen handhaben muß. Vor Kräften undMitteln dieser Art grauste ihnen, energisch zuzugreifen, fehlte ihnender Entschluß nach der einen wie nach der andern Seite, unddeshalb waren sie im entscheidenden Augenblick stets eine AnzahlOffiziere, die das Heer im Stiche ließ.

Immer wird man sich rnit Theilnahme der glänzenden, feurigenRedner, der Vergniaud, Guadet, Brissot, Gensonns, Barbarouxu. s. w. erinnern; sind sie doch in der Revolution die letzten