Buch 
Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
Entstehung
Seite
304
JPEG-Download
 

304

Vierter Abschnitt. § 15.

UM dann in einem Lager bei Paris versammelt zu bleiben. Die

vereinzelten Stimmen, die die ungeheure Gefahr dieses Beschlusses

für die Urheber selber voraus sagten, verhallten in dem Beifalls-sturm, womit die Gallerieen diesen Gedanken willkommen hießen.

Unter dem Verwand, für bessern Schutz des Königs und derHauptstadt zu sorgen, schuf man ein Heer, das ganz in den Hän-den ber Jakobiner für jeden blutigen Tag handelnd und entschei-dend mitzuwirken bereit war.

Man wird begreifen, daß der König dies letzte Edikt niit sei-nem Veto belegte. Seine Garde nahm man ihm und statt ihm

einen Ersatz dafür zu schaffen, bot man 20,000 Mann der jako-binischen Jugend von ganz Frankreich nach Paris auf.

Ein zweites verschärftes Strafdekret, welches gegen die eidver-wcigernden Priester Deportation aussprach, lehnte er gleichfalls ab,wie er gegen das erste bereits Veto eingelegt.

Nun gaben die Minister Servan, Roland, Claviere ihre Ent-lassung ein. Dagegen war Nichts zu sagen, die Minister hattensich mit diesen Maßregeln identificirt, der König gab ihnen denAbschied, das war sein Recht.

Jetzt aber begann ein unwürdiges, frevelhaftes Treiben. Ge-wiß hatte der König, wenn er überhaupt noch ein Recht seinnennen durfte, das Recht, seine Rathgeber zu entlassen, und anderean ihrer Statt zu erwählen, und sicher war es deßhalb ein ge-wissenloses Unterfangen, wenn die Minister selbst ihm das zumVerbrechen stempelten.

Das that man hier.

Die wohlorganisirte Maschine des Clubs wurde in Thätigkeitgesetzt, die jakobinische Presse raste gegen den König, der bisherigeMinister des Innern, Roland, veröffentlichte in der Nationalver-sammlung einen Brief, den er am 10. Juni an den König ge-schrieben, ein Schreiben voll unverschämter Anklagen, wie es demVerfasser in jeder monarchischen Staatsordnung einen Proceß wegenMajestätsbeleidigung eingetragen haben würde. Die Veröffent-lichung war außerdem ein Bruch des zugesagten Geheimnisses. Eswar dasselbe Getreibe im Gang, womit nachher die Gironde selberaus dem Sattel gehoben ward.

Jetzt glaubten die Männer zweiten und dritten Ranges, ihreStunde sei gekommen. In der Versammlung werden die ent-