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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Vierter Abschnitt. K. l6.

um ihre Ketten zu zerbrechen, Nichts nöthig haben, als sich gegenihre Tyrannen aufzurichten." Freilich mußte dann genau nachihrer Vorschrift verfahren werden, wäre das geschehen, so brauchtedas Blut nicht zu fließen, das am 10. August vergossen wordenist, „die Republik wäre gegründet worden ohne schmerzhafte Zuckun-gen und ohne Gemetzel und wir wären nicht, zerfressen von derFäulniß der Pöbelherrschaft, zum Abscheu aller Nationen geworden."

Und wie waren die Werkzeuge beschaffen, mit denen dieGironde, und Barbaroux insbesondere, den unblutigen Staats-streich verrichten wollte?

Am 2. Juli hatten sich in Marseille 500 Banditen auf denWeg gemacht, um als „Föderirte von Marseille" sich den Jakobi-nern in Paris zur Verfügung zu stellen. Den Kern dieses Zu-zugs, den die Jakobinerclubs des Südens aufgeboten, hatte derHafen von Marseille gestellt, in dem sich, wie in jeder größernSeestadt, der Auswurf des Pöbels eines halben Welttheils be-gegnete.

Der Einzug dieser Bande in der Vorstadt St. Antoine solltezu der großen feierlichen Insurrektion benutzt werden, deren Zieldie Absetzung oder Suspension des Königs war. Barbaroux hattemit Santerre und Fournier den Plan bis ins Einzelne verab-redet; wurde er befolgt, so war, meinte er, am 30. Juli mit einemeinzigen gut geführten Streich der König sammt der National-versammlung geräuschlos aufgehoben und, ohne daß ein TropfenBlut floß, der Staatsstreich schmerzlos geschehen. Aber es schluggleich zu Anfang fehl; statt ver 40,000 Mann, mit welchen San-terre den Waffenbrüdern aus dem Süden in der Vorstadt St. An-toine sich anschließen wollte, fanden sich dort nur 200 Föderirteaus den Departements und eine Handvoll Pariser Pikenmännerein, während in den Straßen der besseren Stadttheile die zahl-reichen friedlichen Spaziergänger nicht ohne Schrecken die unheim-lichen, konfiscirten Erscheinungen an sich vorüberziehen sahen.

Ohne Heldenthat sollte aber der Tag nicht verstreichen.

Am Nachmittag saßen die Marseiller in einer Kneipe derChamps Elysees. In einer Restauration nicht weit davon hatteein Grenadierbataillon der Nationalgarde ein Corpsessen. DieGrenadiere waren dem Pöbel und den Demagogen verhaßt, weilsie bei mehreren Gelegenheiten eine streng konstitutionelle Gesin-