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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Der 10. August. Gefangennahme des Königs. Flucht Lafayette's. 325

toine herabkominende Colonne, ehe sie sich mit der aus der Vor-stadt St. Marceau vereinigen konnte, durch seine diesseits derBrücken gut vertheilten Streitkräfte in der Front, in der Flankeund ini Rücken anzugreifen, zu zersprengen und so dem Aufstandsogleich die Spitze abzubrechen.

Bei weitem nicht so zuversichtlich war die Stimmung bei denAufrührern selbst.

Die Sektionen waren am 9. August noch getheilter Meinung:in (jniiM Vincis lSt. Antoine) hatte man sich Wohl pronuncirt,aber ohne den gehosftcn Anklang. Alle andern Sektionen bis aus5 oder 6 waren theils schwankend, theils geradezu feindselig auf-getreten und noch nm 11 Uhr mußten die chuiiE Vincis, isolirtwie sie waren, statt selbst die Entscheidung zu geben, sich mit Ab-senkung dreier Bevollmächtigten begnügen, die mit Commissärenanderer Sektionen auf dem Stadthaus das Weitere beschließensollten.

Um dieselbe Stunde war der Maire Petion auf demSchlosse, versicherte dem König, die Gährung sei groß, aber erhabe Alles gethan zum Schutze der Majestäten, und wußte danneiner peinlichen Unterredung mit dem ehrlichen Mandat zu ent-schlüpfen, der fragte, warum die Polizeiverwaltung den MarseillernPatronen austheilen lasse, sie aber der Nationalgarde verweigere?„Es ist erstickend heiß hier," sagte er zu Rüderer und verschwandim Park, um Lust zu schöpfen.

Um Mitternacht begann dann auf drei Kirchthürmen imCentrum von Paris das Geläute der Sturmglocken, der General-marsch wird geschlagen und die Legionen sammelten sich, die einenzum Aufruhr, die andern zum Widerstand; hier von ihrem Führerermähnt, dort von den Demagogen aufgereizt, für Gehorsam undUngehorsam gleichzeitig geworben.

Seit 3 Uhr sammeln sich allmälig die Vertreter der Sektionenoder vielmehr 70 — 80 namenlose Leute, die sich erdreisteten, imNamen der Sektionen zu tagen und zu beschließen. Keiner vonden vornehmen Demagogen war darunter: die Marat, Robes-pierre, Billand, Fabre d'Eglantine lagen in ihren Höhlen undwarteten, bis das Unwetter sich verzogen hatte.

Auf dem Stadthaus tagen nun zweierlei Gemeinderätheneben einander: der Rumpf des gesetzlichen Gemeinderaths unter