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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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327
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Der 18. August. Gefangennahme des Königs. Flucht Lafayette's. 327

Jetzt gilt es, den Maire Petion unter dem Scheine derVerhaftung in Sicherheit zu bringen.

Dieser hatte, während er im Park der Tuilerien spazierenging, nm Luft zu schöpfen, durch seine Freunde der Nationalver-sammlung melden lassen, er werde im Schlosse gefangen gehaltenund mit dem Tode bedroht. Die Letztere beeilte sich, ihn vor ihreSchranken zu fordern und dadurch aus seiner angeblichen Gefahrzu befreien und nun schickten ihm die Sektionen 60V Mann, umihn in seiner Wohnung zu konsigniren.

Sogleich meldete er seine Gefangennahme allen Behördenund wies nach, daß er „durch höhere Gewalt" von jeder Verant-wortlichkeit entbunden sei.

Mit dem Tode Mandat's war über das Schicksal des Schlossesnicht militärisch, wohl aber moralisch entschieden. Die Schwanken-den unter den Truppen konnten durch einen energischen Dber-Lcfehl bei ihrer Pflicht erhalten werden; sowie dieser gleich im Be-ginn hinweggeräumt wurde, ohne daß ein kräftiger Nachfolger andie Stelle trat, war den Versuchungen zu Abfall und Fahnen-flucht Thür und Thor geöffnet. Die Gensdarmerie erklärte schonganz laut, sie werde um keinen Preis auf das Volk schießen.Die Nationalgarden waren zum Theil besser gesinnt, aber ohneEinheit und Selbstvertrauen; unbedingt zuverlässig waren nur dieSchweizer, mit denen konnte man es immerhin auf einen Kampfankommen lassen, um sich im schlimmsten Fall unter den Trüm-mern des Schlosses zu begraben. Aber der König dachte in solchenFällen nicht wie ein König, sondern wie ein besorgter bürgerlicherFamilienvater, dem die Sicherheit der Seinen über Alles geht.

Im Gefühl, daß Etwas geschehen müsse, um die Gemütherder Mannschaften zu beleben, rieth man dem König sich denTruppen zu zeigen. Als er auf dem Balkon nach dem Carrousel-platz erschien, empfing ihn ein stürmisches vivs 1a roi! Im Hofedrunten hört er aus einzelnen Reihen der Nationalgarde denGegenrnf vive In nntion, während andre ganz schwiegen und amGarten gar brüllt ihm ein vorüberziehendes Bataillon Vorstädterzu: Hoch die Sansculottes! Nieder mit dem Veto! Nieder mit demKönig!

Der Garten und der Carrouselplatz füllen sich mittlerweilemit Aufrührern. Ein Hanfe sammelt sich bereits am großen Ein-