Buch 
Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
Entstehung
Seite
383
JPEG-Download
 

Die Niederlage der Gironde. Die Hinrichtung.

383

Für Robespierre ist jede Verschleppung des Processes, jedeHinansschiebung des Verdikts ein Versuch, die Tyrannei auf einemUmwege zurückzuführen, und als der gefährlichste aller Versucheder Art erscheint ihm der appsl an paupie.

Die Berufung an das Volk käme ihm einem Umsturz derRepublik gleich; wollte man das Volk in seinen Urversammlungenüber seine Meinung befragen, so würden alle Versammlungen derländlichen Cantone, der städtischen Sektionen in eben so viel Tum-melplätze stürmischer Debatten für und wider Ludwig, für undwider das Königthum verwandelt werden. Die Gemäßigten,die Feuillants, die Aristokraten würden sich eindrängen; dieRoya listen, die Feinde der Freiheit würden sich wiedersammeln, das Volk bearbeiten und vielleicht den Sieg davon tra-gen, womit dann der Bürgerkrieg erklärt wäre.

Dann kommen die giftigsten Ausfälle auf die Gironde. IhrePolitik ist mit Händen zu greifen in der Schilderung.

Dann hätten sie Gelegenheit, unter dem Schutze des Gesetzesden König offen zu. vertheidigen. „Und wer ist doch beredter, werverschlagener, wer unerschöpflicher in Hilfsmitteln, als die Ränke-schmiede, als die „Ehrenmänner", d. h. die Schurken des altenund des neuen Regime? Mit welcher Kunst werden sie erst gegenden König deklamiren, um nachher zu seinen Gunsten zu schließen!Mit welcher Redefülle werden sie erst die Souveränem des Volks,die Rechte der Menschheit ausrufen, um nachher den Rohalismuszurückzuführen!"

Gegen den Schluß werden die Girondisten noch aufs Bitterstegegeißelt und angedeutet, daß nächst dem König sie die Strafbar-sten seien.

Am 31. December antwortete Vergniaud; er hielt seinegrößte, gewaltigste Rede, aber es war doch nur eine prachtvolleLeichenrede auf seine Partei.

Die Rede beginnt scheinbar ruhig und rein theoretisch mitDarlegung des logischen Gesichtspunktes, aus dem der nppel anpeuplo fließe. Aus der eignen Lehre der Jakobiner von der Sou-veränem des Volks folgert er die beiden Sätze:

„Jeder Akt, welcher von den Vertretern der Nation ausgeht,ist ein Attentat auf die Souveränem des Volks, wenn er nichtseiner förmlichen oder stillschweigenden Bestätigung unterworfen