392 Fünfter Abschnitt. 8- 20. 21.
alle Plane Dumoüriez's auf friedliche Auseinandersetzung mit Bel-gien zu Schanden.
Die Armee, die Holland erobern sollte, hatte zur Zeit jenesBeschlusses Winterquartier in Lattich, wo es den Soldaten anAllem, an Stroh und Holz, Brod und Kleidung fehlte, wo ganzeBataillone barfuß gingen, und die Gemeinen von der Linie wievon der Nationalgarde massenhaft desertirten. Dumouriez aber,der nach Paris gekommen war, um über diese beispiellosen DingeKlage zu führen, durfte sich kaum öffentlich blicken lassen, umnicht von den Banden Marats und Robespierre's zerrissen zuwerden. Er setzte Nichts durch als einen Wechsel im Kriegsmini-sterium, dem folgte dann eine neüe Emission von Assignaten, neueBeschlüsse zur Auslösung aller militärischen Disciplin und dieVerfügung einer Aushebung von abermals 300,000 Mann.
Mittlerweile hatte sich die Lage der französischen Rheinarmeevollständig umgestaltet. Das linke Rheinufer war im Oktober andie Sansculotten Custine's unter Umständen preisgegeben worden,die für die grenzenlose Zerrüttung der geistlichen Staaten undnicht weniger der kleinen weltlichen Reichsgebiete überaus charakte-ristisch waren, aber militärisch durchaus Nichts entschieden; dieseleichten Siege über Fürsten, die davon liefen, über eine Festungwie Mainz (21. Okt.), die sich sogleich ergab, über Bevölkerungen,die den Jakobinismus theils willkommen hießen, theils schweigendertrugen, verdienten den Jubel nicht, mit dem sie auf französischerSeite begrüßt wurden; das erste frische Gefecht des ganzen Feld-zugs, der siegreiche Sturm der Preußen und Hessen auf die vierfranzösischen Bataillone in Frankfurt am 2. December 1792,zeigte die Tüchtigkeit deutscher Truppen im besten Lichte undmachte dem moralischen Eindruck nach viel von Dem wieder gut,was die unverantwortliche Schwerfälligkeit der Führung in derChampagne gesündigt hatte.
Mit Ende des Jahres waren die Franzosen vom rechtenRheinufer fortgedrängt, mit der Einschließung von Castel die Be-lagerung von Mainz eingeleitet und auch in die Coalition neuesLeben gekommen, seit man hier alle romantischen Illusionen abge-than und sich auf der Linie nüchternster Jnteressenpolitik verstän-digt hatte.
Noch im December 1792 gab Oesterreich endlich seine Zu-