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Sechster Abschnitt. §. 23.
der ersten Hälfte Juli Condü, in der zweiten Valencienneseroberten. Der Weg nach Paris lag offen vor einer Heeresmachtvon 200,000 Mann und ihr entgegen stand ein tausendfach zer-rissenes Volk, das sich eben selbst zerfleischte und ein Heer ohneWaffen, ohne Nahrung, ohne Offiziere und ohne Disciplin. Dieserbeispiellose Zustand war das Werk der Faktion, die jetzt Frankreichbeherrschte.
Gerettet wurde Frankreich allerdings, wie 1792, so auch dies-mal, aber nicht durch den Terrorismns, der es an den Rand einerungeheuren Katastrophe gebracht, sondern durch die Schwäche derCoalition, die die unvergleichliche Gunst der Lage versäumte, weilkeine der Mächte mehr von Herzen bei dein Kriege war.
Preußen und Oesterreich drängte mit Ungeduld aus demKriege herauszukommen, jenes um die polnische Bente zu erhäschen,dieses um bei dem Länderschacher nicht zurückzubleiben und fallsdie baierischen Pläne fehlschlugen, wenigstens auch Preußen aneiner Vergrößerung zu hindern; jeder Theil hatte seine besondernHintergedanken und so kam man nicht von der Stelle. Den Eng-ländern zu Liebe entschloß man sich endlich statt auf Paris auf —Dünkirchen zu marschircn und diese für England so wichtigeFestung zu berennen. Und so gab man Frankreich drei MonateZeit, sich zu rüsten. Wäre Einheit in der Coalition und einfähiger, willenskräftiger Führer an der Spitze ihrer Heere gewesen,so war die Lage Frankreichs wahrhaft verzweifelt. Wo sollte in die-sem Moment unerhörter Zerrissenheit Begeisterung und Hingabezur Abwehr des Feindes herkommen? Fast sämmtliche Departe-ments sahen in der neuen Regierung ein Attentat auf Alles, wasihnen hoch und heilig war und in einem Sieg dieser Faktion überden einzigen Feind, der ihr an äußerer Macht überlegen war, dieZerstörung der letzten Schranke, die den Krieg Aller gegen Alleeinigermaßen noch im Zaume hielt.
Die Franzosen verlieren über alle diese Dinge theils aus Un-kenntnis theils aus Parteigeist kein Wort. Das für den ganzenKrieg entscheidende Verhältniß der polnischen Dinge kommt beiihnen gar nicht vor und doch beruht darauf lange Zeit hindurchunsere ganze deutsche Politik, wie man jetzt aktenmäßig belegenkann. Sie finden das theils bei Shbel, theils in meiner deutschenGeschichte; die Akten über diese Angelegenheit bieten die schärfste