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Sechster Abschnitt. §. 23.
Marsch auf Paris drohten. „Was ist," ließ sich die Bürgerschaftvon Rennes vernehmen, die Pflicht des Volks in der jetzigen Lage?Aufzustehen Mann für Mann, nach Paris zu marschiren, nichtum es zu bekämpfen, sondern um die Tausende von Brüdern zuverstärken, die dort nur auf unsere Ankunft warten, um die Unter-jochung abzuwerfen und den Vertretern des Volks ihre Würde undFreiheit wiederzugeben."
Am ernsthaftesten rührte sich diese Opposition in Lyon, woaußer mancherlei Verbindungen mit der Emigration, die in Turinihren ersten Sitz aufgeschlagen hatte, der Selbsterhaltungstrieb derreichen Kaufmannschaft in den höheren Classen die Gemüther zuGunsten einer gesetzlichen Ordnung stimmte, daneben aber auch dieMasse der Arbeiterbevölkerung den verführerischen Lehren der Ja-kobiner doppelt zugänglich war. Seit dem 10. August, noch mehrseit den Septembermorden lag diese Stadt in einer fürchterlichenGähruug; hier war von politischen Problemen nicht die Rede, hierdrohte der nackte Krieg der Proletarier gegen Leben und Eigen-thum der Besitzenden. Auch hier fand sich ein Marat in der Per-son eines gewissen Chalier, der einen revolutionären Gemeinde-rath und eine Revolutionsarmee organisirte; aber hier waltete inden Sektionen ein anderer Geist der Entschlossenheit und Energieals in denen von Paris.
Als es am 29. Mai zum Kampfe um das Stadthaus kam,wurden die Aufrührer überwältigt, Chalier ergriffen und späterhingerichtet. Diese Entscheidung traf gerade zusammen mit demSturz der Gironde in Paris; die zweite Stadt Frankreichs standtriumphireud auf der Seite der Besiegten vom 2. Juni.
Das Alles freilich sah bedrohlicher aus, als es wirklich war;gemeinsam war all diesen Elementen des Widerstandes nur dieAngst um Haus und Hero, um Leben und Gut; kein politischerGedanke und vor Allem keine einheitliche Leitung irgend welcherArt. Daß die Häupter der Girondisten, denen von auswärts hun-dertmal versichert wurde, Frankreich werde sie rächen an ihrenFeinden, während dieser Bewegung in — einer übrigens milden —Haft saßen, machte keinen Unterschied; sie waren nicht dazu ange-than, dieser Bewegung zu geben, was ihr fehlte, Einheit und Lei-tung, denn sie waren nicht Männer der That, nicht Männer derrücksichtslosen keck zugreifenden Entschlossenheit und mußten unter