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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Sechster Abschnitt. K. 26. 27.

Am 14. Oktober erschien die Königin vor dem Tribunal; inder schrecklichen Nacht, wo man ihr den Sohn vom Herzen ge-rissen, war ihr Haar grau geworden; wie sie jetzt, ein Bild desJammers und doch stolz und ungebeugt, vor ihren Richtern stand,machte sie auf Jeden einen erschütternden Eindruck. Danton undDesmoulins hätten sie gern in den Formen wenigstens anständigbehandelt gewußt; das verstanden und wollten die Creaturen Robes-pierre's nicht. Marie Antoinette verleugnete ihre Würde keinenAugenblick, sie antwortete mit kalter Ruhe auf die Fragen, die ansie gerichtet wurden, und bei den schmutzigen, gemeinen AnklagenHeberts, die dem rohesten Fischweib die Schamröthe auf die Wangengetrieben hätten, wendete sie sich mit stolzer Verachtung ab. DreiTage und drei Nächte hatte die Verhandlung gedauert; das Todes-urtheil vernahm sie ohne eine Miene zu verziehen, muthig nndunerschrocken bestieg sie das Blutgerüst.

Am Tage der Hinrichtung gab Barere seinen guten FreundenRobespierre nnd St. Just ein Diner; dort wurde der Proceß derKönigin und die allgemeine Lage besprochen. Robespierre äußerte sichunruhig über die große Zahl von Feinden, die die Republik nochabzuthun habe und der ganz elende Barere meinte: Alle Adeligen, allePriester, alle Leute von Hof nnd selbst die Aerzte seien Existenzen,die sich mit der Gleichheit nicht vertrügen. St. Just rieth zu einerMassendeportanon aller Klassen von Verdächtigen und Barere fügtehinzu: „Vielleicht kann das Fahrzeug der Republik nur durch einMeer von Blut zum Hafen gelangen." Robespierre fürchtete, dasmaßlose Blutvergießen würde das menschliche Gefühl empören, undandererseits würde eine falsche Schonung gegen die verhältniß-mäßig kleine Zahl der Schuldigen die zum Heil der Gesammtheitnothwendigen Maßregeln durchkreuzen. Barere war der Ansicht,den Anfang müsse man jedenfalls mit den Gliedern der Consti-tuante und den Führern der Legislative machen?)

So ging man an die Girondisten.

Die Anklage war so plump, wie nur je eine zum Zweck despolitischen Mordes geschmiedet worden ist. Man warf ihnen nichtvor, was man als politische Fehler ihnen zum Verbrechen stem-peln konnte, sondern, was ihnen unter allen Sterblichen am

*1 Barante lll. 367.