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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Sechster Abschnitt. Z. 26. 27.

gedient als dem der Freiheit und Gleichheit, nie eine andere Re-ligion gehabt als die der Humanität und Vaterlandsliebe, er legedeßhalb gleichfalls seine Stelle nieder.

Gregoire allein, der fanatische Jansenist, bekannte sich lautund feierlich als Christen nach wie vor; er sehe sich nicht veran-laßt, das abzuschwören, was er sein Leben lang heilig gehaltenhabe. Aber er war der einzige unter den Geistlichen, der so han-delte und dachte.

Solchen Vorgängen entsprach es, wenn im Convent Einer(Dupont) aufstand und rief: „Was? Ihr glaubt, ihr hättet dieThrone umgestürzt, so lange die Altäre noch stehen? Ihr wolltetdie französische Republik mit anderen Altären als denen des Vater-landes, mit anderen religiösen Sinnbildern als den Bäumen derFreiheit gründen? Die Natur und die Vernunft, das sind meineGötter. Ja, ich gestehe es ehrlich, ich bin Gottesleugner."

So holte man denn Meßgewänder und heilige Gefäße ausden Kirchen, putzte damit Tagediebe und liederliche Dirnen auf,und schändete in öffentlichen Aufzügen recht geflissentlich, was indiesem Lande seit tausend Jahren Religion und Gottesdienst ge-wesen war. Alles das, worin die Massen nicht das Aeußerliche,sondern das Wesen ihrer Heiligthümer zu sehen Pflegen, wurdelästerlich mit Füßen getreten. Das machte einen Eindruck auf dieMassen, dessen sich die Pariser nicht versahen. Was blieb denn,wenn man ihnen Alles zerstörte, was ihr frommer Glaube oderAberglaube mit gcheimnißvollen Wunderkräften ausgestattet? Alsman die Schutzheiligen plünderte und umstürzte, zu denen sie Jahr-hunderte lang gebetet, als man die Reliquien zerstreute und ent-heiligte, von denen sie Heilung ihrer Gebrechen erfleht, da regtesich die Frage: Was ist denn nun die echte Wahrheit, wenn dasnicht mehr Wahrheit ist? Und welches sind die Apostel dieser neuenLehre? Dieselben, die als Räuber und Mordbrenner durch dasLand ziehen. Viel hatten sie ertragen, viel hatten sie zu Staubzertrümmern lassen, weil es die alte unselige Zeit vergegenwärtigte.Aber ihr Christenthum, oder was sie darunter verstanden, wolltensie sich nicht nehmen lassen, um so weniger, als die Diebe ihresGlaubens zugleich gemeine Verbrecher waren.

Diese Stimmung gab sich von den Departements her in un-zweideutigen Zeugnissen kund. Wie jetzt selbst den Chabot und