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Sechster Abschnitt. §. 28. 29.
zelnen geworden und von dieser endlich für Keinen Freiheit übriggeblieben. Die historischen Standesunterschiede waren einer natür-lichen Gleichheit gewichen und diese war alsbald in einer künst-lichen Kluft zwischen Besitzenden und Besitzlosen untergegangen.Arbeit und Eigenthum, Handel und Wandel waren kaum aus einerunnatürlichen Gebundenheit erlöst, als sie in neue blutige Fesselngeschlagen wurden; der Preis der Arbeit, der Curs werthlosenPapiergeldes, wurde durch die Guillotine bestimmt, jeder Handelals verbotener Wucher vogelfrei erklärt, alles Eigenthum endlichals ein Unterpfand verräterischer Gesinnung geächtet. Eine Füllekostbarer Rechte, politischer Garantien war damals geschaffen wor-den, nicht eines darunter war zu nennen, das nicht zertreten wor-den wäre; die ganze Geistesarbeit der Constituante, der ganze Bauvon Menschen- und Bürgerrechten lag in Scherben umher undihre gänzliche Zerstörung war nicht eine unbeabsichtigte Folge, son-dern die nothwendige Voraussetzung des jetzt gestürzten Systemsgewesen.
So im Innern; anders aber draußen an den Grenzen. DerEindruck der grauenhaften innern Zerrüttung vergißt sich beinahebei dem Blick auf die Heere der Republik, wie sie jetzt in derersten Hälfte 1794 dastanden. Hier lag die ganze ungebrocheneKraft der Nation, die Jugendblüthe der Revolution, der volleSchwung eines wirklich republikanischen Geistes.
Es stellt sich die ganz abnorme Erscheinung dar, daß währenddie Revolution im Innern sich selber aufgezehrt, die republikanischeGesellschaft aus tausend Wunden blutete und alle ihre Ideale zer-trümmert sah, dieselbe Revolution die ganze Fülle ihrer Kraft ingewaltiger Vereinigung an den Grenzen hatte, bereit, ihre unwider-stehliche Propaganda auf die Nachbarlande, auf ganz Europa zuwerfen. Mitte 1794 waren die revolutionären Heere aller Ortennach Außen siegreich, während der Bürgerkrieg der Bendee in denletzten Zuckungen lag; Belgien war erobert (Sieg bei Fleurus26. Juni), der Coalitionskrieg in Belgien mit ewiger Schmachbedeckt, die Rheinlande bereits bedroht, im Herbst besetzt, Savoyenwar in Besitz genommen. Kein fremder Soldat stand mehr auffranzösischem Boden und im französischen Heere hatte sich das Ta-lent in seiner glücklichsten Entfaltung emporgearbeitet, die gebornenSoldaten waren am Ruder, an der Spitze aller Heere standen