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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Siebenter Abschnitt. tz. 30. 31.

und das die äußerste Feindseligkeit gegen Preußen athmete: Thei-lung Polens und der Türkei zu Gunsten der beiden Kaiser-höfe, Abfindung Preußens mit einem Stücke Polens, falls es dieErrichtung einer russischen Sekundogenitur in den Donaufürsten-thümern, die Beraubung Venedigs, die Erwerbung Baierns undeines Stückes der Türkei, sowie aller etwaigen Eroberungen inFrankreich für Oesterreich gut heiße und in allen Fällen gemein-same Aktion gegen Preußen: das war der Inhalt der Abmachun-gen. Was aus einem Bunde werden mußte, der in demselbenAugenblick, wo er zu furchtbarer Ueberlegenheit angewachseneWehrkräfte der Revolution sich gegenüber sah, solcher Art sich selbstzerfleischte, das war leicht abzusehen. Es liegt in diesem Peters-burger Aktenstück ein ganzes Stück Weltgeschichte enthalten. Nurdiese Politik der Treu- und Gewissenlosigkeit, nicht die Revolu-tion, nicht Bonaparte's Genie, hat die französischen Heere zweiMal nach Wien, ein Mal nach Berlin und zuletzt nach Moskaugeführt. Nichts kann den blinden, frivolen Wahn der altenStaatskunst schlagender bezeichnen, als dieser geheime Vertrag.Das war es, was den Verbündeten, einem nach dem andern, ihreKatastrophen eingetragen hat.

Wir können nicht sagen, ob man in Berlin diese Abmachun-gen kannte, aber man wußte jedenfalls die Richtung der Politik,die dahin führte.*) Der König, der bis jetzt aus einem ehren-werthen Bedenken jede Unterhandlung mit den Männern desSchreckens von sich gewiesen, erklärte sich jetzt selber bereit, sich mitihnen zu vertragen. So schloß man, von allen Verbündeten theilspreisgegeben, theils verrathen, am 5. April 1795 den Friedenzu Basel.

Es war zunächst nur ein Sonderfrieden mit dem Vorbehalt,auch für das Reich einen allgemeinen Frieden zu vermitteln, aberauch mit dem Hintergedanken, wenn Oesterreich nicht wolle, esdavon auszuschließen; die norddeutschen Staaten innerhalb der De-markationslinie sollten unter die preußische Obhut und Hannover,falls es sich weigere, als Pfand in Verwahrung genommen wer-den, damit es sich allmälig an den preußischen Besitz gewöhne.

*» jTauenziens unglückliche Lage in Petersburg zu jener Zeit s. SybelIII. 26 l ff.j