Der italienische Feldzug 1796—1797.
547
ten Operation rasch die Bocchetta, überfiel den Feind bei Voltri,schlug ihn zurück 'Und fand am Abend seine Verbindung mitNelson. Das war aber auch der ganze Erfolg. Sofort zeigtesich die Meisterschaft Napoleons, die wunderbare Oekonomie derKräfte, womit er es verstand, jedesmal an der entscheidendenStelle der Stärkere zu sein. „Die ganze Kunst des Kriegs," sagter, „besteht darin, daß man an der rechten Stelle stets der Ueber-legene ist."
Bonaparte war in: Ganzen weit schwächer als Beaulieu, aberin allen Gefechten der nächsten Tage hatte er an jeder Stelle diegrößere Truppenzahl, so daß die Oesterreichs glaubten, sie hättenes mit einer unermeßlich starken Armee zu thun. Am andernTag rückten die Oesterreichs gegen Montenotte vor, um die fran-zösische Linie zu durchbrechen und nach-den Alpen zurückzuwerfen.Das schien Anfangs zu gelingen. Bei den Schanzen von Montenotteentspann sich am 11. April ein furchtbarer hartnäckiger Kampf zwischen1200 gutgedcckten Veteranen und 3000 Angreifern. Die Oester-reicher wurden mit großem Verlust zurückgeschlagen und ein kleinesGefecht in der Nähe endete ähnlich. Jetzt warf sich Bonaparterasch auf alle vereinzelten Positionen der beiden Armeen und schlugsie in einer Kette von Gefechten. Es war die Untugend des altenSystems, daß man jeden Punkt decken wollte, meilenweit großeCordons aufstellte und dabei unermeßlich viel Leute nutzlos auf-brauchte. Die Revolution, bei ihrem Mangel an tüchtigen Sol-daten, mußte ihre Heere stets auf einzelne Punkte werfen undimmer wieder in derselben Weise angreifen, die Flanken- und Rücken-deckung war dabei immer schwach, aber die Wucht am entscheiden-den Orte desto größer. Napoleon betrieb das systematisch, er griffden Feind stets an einem Punkte mit überlegenen Kräften an undließ ihm keine Zeit zur Umgehung.
So auch hier. Die Oesterreichs wurden in den Tagen vom13.—22. April bei Millesimo, Dego, Ceva, Mondovi nacheinanderin lauter Detailgefcchten, wo sie stets die Minderzahl hatten, über-rascht und trotz aller Tapferkeit geschlagen. Es war darunter nichteine einzige wirkliche Schlacht, aber die Summe der Verluste derOesterreichs betrug eine ansehnliche Quote der Armee und dabeiwaren sie von den Piemontesen verlassen. Auf beiden Seitenklagte man, der Verbündete habe seine Schuldigkeit verabsäumt es
35 *