570
Neunter Abschnitt. §. 38 40.
als nunmehr die Hand an eine römische und eine helvetischeRepublik gelegt wurde.
In beiden Ländern war die Handhabe zur Einmischung raschgefunden. Der Druck der überkommenen Zustände, die Schwächeder regierenden Gewalten, die Unzufriedenheit ganzer Classen gabhier wie dort den Umtrieben der Franzosen leichtes Spiel.
In Rom war der französische Gesandtschaftspalast der Mittel-punkt einer Bewegung zur Reorganisation des Kirchenstaates, dienicht unter dem gemeinen Volke, wohl aber unter den gebildetenMittelklassen ziemlichen Anhang hatte und durch bunte, auslän-dische Elemente verstärkt, in Clubs und Vereinen eine lärmendePropaganda machte. Das alte Unheil der Römer, die phantastischeErinnerung einer großen Vergangenheit und das gänzliche Unver-mögen, etwas Neues, Dauerhaftes zu schaffen, arbeitete den Auf-rührern in die Hände. Alle Beschwerden der päpstlichen Regie-rung waren vergebens. Pius VI. war in seinem ganzen Wesennichts weniger als eigensinniger Reaktionär, er war wie sein Nach-folger, der sogar als Cardinal während der Revolution von Frei-heit, Gleichheit und Menschenrechten gepredigt hatte. Es war darummehr die Schwäche, als der Druck seines Regimentes, was hierzur Einmischung herausforderte. Der Anstoß erfolgte am 28. De-cember l797. Die römischen Republikaner, etwa 300 an der Zahl,hatten sich zu einer Schilderhcbung versammelt, waren von denpäpstlichen Dragonern zerstreut worden und hatten sich, vom Pöbelverfolgt, vor das französische Gesandtschaftshotel geflüchtet. GeneralDüphot, der am Tage darauf sich mit der Schwägerin des Ge-sandten Joseph Bonaparte vermählen sollte, hatte sich eingemischt,ein Schuß war gefallen und hatte ihn getödtet. Das Direktoriumhatte auf so Etwas längst gewartet. In hohem Tone wurde Ge-nugthuung verlangt, Joseph Bonaparte, der Gesandte, trieb eszum Bruch und der wohl vorbereitete Schlag konnte erfolgen. DieTruppen standen schon bereit, Berthier marschirte ein und ver-kündigte am 13. Februar 1798 die Republik. Der Papst sollteder weltlichen Oberherrschaft entsagen, weigerte sich aber und Ber-thier schonte ihn. Anders wurde es, als an seiner Stelle Mas-sen a erschien, eines der größten militärischen Talente der Revo-lutionszeit, aber von Hause aus ein grundgemeiner Mensch, einRäuber und Dieb ohne Scham, der, als ihm Napoleon darüber