Bonaparte in Egypten 1798/99.
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durch dieses Sandmeer, die tausend Entbehrungen, die der euro-päische Soldat nicht ertragen kaun, wirkten niederdrückend, dasHeer ward mißvergnügt und die Führer gaben dem Ausdruck: Kleberund andere Generale sprachen es laut aus, daß man einem Aben-teuer das tapfere Heer geopfert habe.
Auch die französische Civilisation wollte hier keinen Bodengewinnen. Das Mamelukenregiment haftete hier einmal mit tau-send Wurzeln, wie widersinnig es nach europäischen Vorstellungensein mochte. Daß der Mensch hier wie ein Thier behandelt ward,daß sein Leben für Nichts galt, das wußte man hier nicht anders,das war Berhänguiß und von dem Glauben so vorgeschrieben.Aber die französische Organisation mit ihrer zudringlichen Viel-geschäftigkcit, dieses gewaltthätige Eingreifen der Beamten undSoldaten in Alles und Jedes, diese Besteuerungen und hundert-fachen Ordnungen, wie sie die französische Civilisation mit sichbrachte, waren dem Morgenländer unendlich viel drückender, alsdie hergebrachte Despotie. Dabei wurden eine Menge geheiligterGewohnheiten verletzt; überzeugt von ihrer Unübertrefflichkeit ver-schonten die Franzosen Nichts mit ihrem Stempel und bald be-gegnete man überall bösem Willen. Vergebens erklärte Bonaparteeiner Versammlung von Schcikhs, daß er den Islam für eine sehrerhabene Religion halte, es half Nichts. In Cairo erhob sich einfurchtbarer Aufstand der fanatischen Muselmänner: Bonaparte warin einer verzweifelten Lage; an der Küste die Engländer, in Ober-eghpten Desaix festgehalten und in Untereghpten die Muselmännerin Aufruhr.
Bonaparte ließ „die Straßen mit Kartätschen bestreichen" undder Aufruhr war gedämpft (21. Okt. 1798).
Inzwischen hatte die Türkei ihm den Krieg erklärt und unter-stützt von einem englischen Geschwader Shrien besetzt. Bona-parte brach im Februar 1799 nach Palästina auf. Er trieb dieTürken vor sich her, nahm Gaza und Jaffa ein, ließ einige Tau-send Gefangene niedermetzeln, „die einzige Grausamkeit seines Le-bens," wie Thiers sagt, und rückte dann gegen St. Jean d'Acre.Er versuchte es zu erstürmen wie Jaffa (seit 20. März», aber esgelang nicht und nach mehreren mißlungenen Anläufen sah er,daß er sich vor den Mauern dieser Festung nur werde verblutenkönnen.