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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Suworow in Italien und der Schweiz.

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kletterten unter dem Feuer des Feindes in den Abgrund hinunter,wateten durch die Rcuß, kletterten die andere Felswand wiederempor und umgingen so die Brücke; die Franzosen fürchteten, ab-geschnitten zu werden und brachen die Vertheidigung ab. Sodrang Suworow nach dem Vierwaldstätter See durch i 26. Sept.i.Er fand kein Fahrzeug vor und es blieb ihm Nichts übrig, alsein neuer, unsäglich mühevoller Gcbirgsmarsch nach dem Mnotta-thal, von wo er Schwh; und den Anschluß an Korsakow und Hetzegewinnen wollte.

Die abgehetzte, von Leiden aller Art erschöpfte Armee leisteteauch dieses, freilich mit Zurücklassung der Geschütze und vielerUnglücklichen, die in die Felsgründe gestürzt und den Strapazenerlegen waren; aber nun wurde zur zweifellosen Gewißheit, wasSuworow zu Anfang vorausgesehen und nur in diesen Tagennicht glauben wollte, daß Korsakow und Hotze geschlagen (bei Zürich25.26. Sept.) seien und daß dort, wo er seine Verbündetentreffen wollte, die Franzosen unter Massen« ständen.

So stand Suworow, außer Verbindung mit den Seinen,völlig vereinzelt da; zurück konnte er nicht, vor sich hatte er diefeindliche Armee im Besitze der Engpässe und Höhen, die wiedernur mit großen Verlusten und unter fortwährendem Kampfe zupassiren waren. So ging er über den Pragel, drängte die Fran-zosen zur Seite, schlug selbst Massen« mit 16,000 Mann nachSchwyz zurück und suchte dann über das Sernfthal und den Pa-nixer Paß das bündtner Rheinthal zu gewinnen. Der Weg gingüber eine Schnee- und Eiswüste, die vor ihm nie als Heerstraßebenutzt worden war, wo seine todtmüden, hungrigen und meistunbeschuhten Truppen ranpenartig über frisch gefallenen Schneeund spiegelglatte Eiskegel Hinwegkriechen mußten, Unzählige liegenblieben oder in Felsspalten hinabstürzten, der Rest der Pferdeund der Artillerie verloren ging. Zwischen dem 8. und 10. Okto-ber kam er dann mit den Trümmern seines Fußvolks im Vorder-rheinthal an; er hatte sich aus einer Lage gerettet, in der von100 Generalen 99 kapitulirt hätten, hatte einen Rückzug voll-bracht, der einzig dasteht in der Kriegsgeschichte, aber der Feldzugwar verloren. Noch waren nicht alle italienischen Siege verspielt,aber an Das, was man zuletzt gehofft, die Einnahme der gesamm-ten Schweiz zum Behuf der Invasion nach Frankreich, war jetzt