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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Neunter Abschnitt. K. 41. 42. 43.

lagen zwei ehemals venetianische Fregatten, die einzigen Kriegsschiffe,die außer zwei Dreimastern im Hafen waren. Von diesen durfte manhoffen, daß sie seetüchtig genug sein würden, ihn hinüberzubringen.Dann ließ er Marmont kommen und sagte zu ihm:*)Ich bin ent-schlossen nach Frankreich zurückzureisen. Die Lage der Dinge inEuropa zwingt mich zu diesem großen Entschluß; unsere Heere er-leiden Schlag auf Schlag und Gott weiß, wie weit der Feind schonvorgedrungen ist. Italien ist verloren, der Preis so vieler Mühenund so vielen Blutvergießens ist dahin. Und wie könnte es anderssein bei der Unfähigkeit der Leute, die an der Spitze der Geschäftestehen? Bei denen nichts als Unwissenheit, Dummheit und Schlechtig-keit zu finden ist. Ich, ich allein habe die Last getragen und durcheine Kette von Erfolgen diesem Regiment Halt gegeben, das ohnemich sich nie hätte erheben noch behaupten können. Als ich fernewar, mußte Alles zusammenbrechen. Warten wir nicht, bis derEinsturz sich vollendet haben wird, dann wäre das Unglück nichtmehr zu heilen. Die Rückfahrt nach Frankreich ist gewagt, schwie-rig, voll Gefahren; aber in geringerem Maße als es unsere Her-fahrt gewesen, und das Glück, das mich bisher gestützt hat, wirdmich jetzt nicht im Stiche lassen. Ucbrigens muß man imrechten Augenblick zu wagen den Muth haben: wer nicht wagt,gewinnt nicht. Ich lege das Heer in fähige Hände, verlasse es ingutem Stande und nach einem Siege, der auf eine unbestimmteZukunft gegen jeden neuen Angriff Schutz gewährt. Man wirdin Frankreich fast zu gleicher Zeit die Zerstörung des türkischenHeeres bei Abukir und meine Ankunft erfahren. Meine Gegen-wart wird die Gemüther wieder aufrichten, dem Heere das Ver-trauen geben, das ihm fehlt und dem Bürger die Hoffnung aufeine bessere Zukunft einflößen. In der öffentlichen Meinung wirdsich eine Bewegung kund geben, die durchaus Frankreich zu Gutekommt. Versuchen wir anzukommen und wir werden ankommen."

So schiffte sich Bonaparte in der Nacht vom 22. August,begleitet von seinen nächsten Vertrauten, an einer abgelegenenStelle der Küste ein. Es war eine peinliche, mühe- und gefahr-volle Fahrt an der öden Küste von Afrika, immer im Kampfe mitwidrigen Winden und bedroht von dem feindlichen Geschwader.

*) R.-M. II, 32 K'.