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Neunter Abschnitt. H 4l. 42. 43.
sich da mit dem Boden befassen, der es umgibt? Hier ist einUmschwung unerläßlich."
Die Männer in Paris fühlten im Augenblick, daß der Gene-ral, den Niemand hatte kommen heißen, nicht erschienen sei irgendeiner Laune zu Liebe oder um der Erholung willen, sondern daßdie Entscheidung nahe zwischen ihm und ihnen, und es täuschteNiemanden, daß er wieder wie nach den Siegen in Italien sichallen lärmenden Huldigungen entzog, sich als stiller einfacher Ge-lehrter, nie in der Uniform, sondern stets in der Tracht des Institutzeigte und nur mit gelehrten Freunden zu verkehren schien. Aberdas Direktorium war gespalten. Gegen Barras und die zweiganz unfähigen Direktoren Goher und Moulins standen RogerDucos und Siehes in lauernder Zurückhaltung. Mit den bei-den letzteren knüpfte Bonaparte an. Ducos, ein alter Girondist,jetzt bekehrt zu der Einsicht, daß eine militärische Diktatur eineheilsame Nothwendigkeit sei, war durch die Brüder Bonaparte's,Lucian und Joseph, gewonnen. Auch Siehes, der kluge, vorsich-tige Abb6, wußte Nichts zu erwidern, als Lucian ihm sagte: „Dieöffentliche Meinung und das Zujauchzen des Volks haben meinemBruder den Beruf ertheilt, Frankreich zu retten. Wollen Siesich mit ihm verbünden zu diesem vaterländischen Werke?" Alsihm dann vorgeschlagen wurde, er, Ducos, Bonaparte sollten diedrei Consuln der Republik werden, meinte er: „Ja, ich will mitdem General Bonaparte gehen, weil er von allen Soldaten nochder bürgerlichste ist, aber ich weiß, was meiner nach dem Siegewartet, er wird seine beiden Genossen bei Seite schieben und hintersich werfen."*)
So war in der Stille das Einverständniß mit den zwei fähig-sten Direktoren geschlossen. Es war ein sehr ungleicher Bundund bald konnte Siehes sagen: nous uvous un mrutre hui saittont, yui reut tout, peut tout.
Im Rathe der 500 saßen die Brüder Joseph und Lucian,der letztere als Präsident, klug genug, sich nie von der zweitenStelle vorzudrängen, jederzeit dem großen Bruder dienstbar undmit großem Geschick bemüht, hier einen bonapartistischen Anhangzu bilden.
*) IMaiÄnte III. 525—26 )